Object: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Würde des Denkens. 
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vor dem Forum der unmittelbaren Vorstellung, als „unbegreiflich‘“ 
erscheint, das besitzt andererseits den höchsten Grad der Begreif- 
lichkeit und Notwendigkeit, sofern wir ihm unsere Anerkennung, 
nicht versagen können, ohne uns in Widersprüche gegen die 
ersten Grundsätze alles Verstehens zu verstricken. Hier ist somit 
das Unendliche noch nicht das Beispiel eines transscendenten 
Inhalts, der das System unserer „natürlichen Begriffe“ entwurzelt 
und entwertet; es ist eine Forderung dieses Systems selbst. Das 
Bewusstsein darf keinen Inhalt abweisen unter dem Vorgeben, 
lass er ihm unfasslich ist, bevor es sich nicht darüber Rechen- 
schaft gegeben hat, ob diese Unerfassbarkeit in einem subjektiven 
Mangel der Vorstellungskraft oder einem inneren sachlichen Wider- 
spruch des Objekts seinen Ursprung hat. Die Streitfrage, um die 
as sich handelt, betrifft im Grunde nicht den Gegensatz zwischen 
Bewusstsein und absoluter Existenz, sondern erstreckt sich auf die 
verschiedenen Funktionen des Erkennens selbst und ihr wechsel- 
zeitiges Verhältnis. Das Denken allein ist zum Richter über sich 
selbst berufen. — 
Und in den „Pensees‘“ selbst finden sich, durch alle sittliche 
und intellektuelle Skepsis hindurch, Worte, die an diesen ersten 
Ausgangspunkt Pascals erinnern. „Der Mensch ist nur ein schwan- 
kendes und schwaches Rohr, aber er ist ein Rohr, das denkt. 
Nicht das Universum braucht sich zu wappnen, ihn zu zer- 
schmettern; ein Hauch, ein Wassertropfen ist genug, ihn zu töten. 
Aber wenn ihn das Universum zerschmettern würde, so bliebe 
er doch stets erhabener als das, was ihn tötet, weil er weiss, 
dass er stirbt, und die Macht kennt, die das Universum über ihn 
übt. Das Universum weiss Nichts davon. Alle unsere Würde 
besteht also im Gedanken. An ihn müssen wir uns hingeben, 
nicht an Raum und Zeit, die wir nicht zu erfüllen vermögen. 
Arbeiten wir also daran, richtig zu denken: dies ist das Prinzip 
jer Moral. Vermöge des Raumes begreift mich das Universum 
und saugt mich auf, wie einen Punkt; vermöge des Gedankens 
begreife ich es‘“.®) „Die gesamte Körperwelt, das Firmament, die 
Gestirne, die Erde und ihre Reiche wiegen nicht den geringsten 
der Geister auf, denn er erkennt dies alles und sich selbst, die 
Körper Nichts davon“. (Pensees, ed. Havet, XVII, 1.) Wenn für 
Descartes das Denken die einzige selbstgewisse Grundtatsache
	        
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