Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Sachverständiger Benjamin: Es ist ganz eigenartig und beruht 
wahrscheinlich auf besonderen Verhältnissen: Während auf anderen 
Gebieten des Handels überall Zusammenschlüsse erfolgt sind, habe ich 
es in meiner jetzt 40jährigen Tätigkeit noch nicht erlebt, daß sich die 
Erzhandelsfirmen zusammengeschlossen haben. Nach wie vor herrscht 
frisch und froh der Wettbewerb, was ich im übrigen für den gesündesten 
Zustand halte, sowohl für die Erzhandelsfirmen als auch für die Erz- 
zerbraucher. 
Sachverständiger Wenzel: Zu einem eigentlichen Erzgroßhandel 
gehört ungeheuer viel Geld, denn die Ziele sind außerordentlich groß. 
Die Grubenbesitzer, wenigstens die kleinen, z. B. in Spanien, wollen ihr 
Geld möglichst schon vorher haben. Dann kommt das Erz erst in den 
Hafen, verursacht Binnentransportkosten, dann Seefracht, dann wieder 
Binnenfracht bis zum Werk; dann wird das Erz erst geprobt, und 
Jlann liegt auch ein großes Risiko in der ganzen Sache. Früher war die 
größte Erzhandelsfirma, die wenigstens im Westen das große Geschäft 
gemacht hat, W. Müller & Co., eine holländische Firma. Nach dem Kriege 
hat das sehr stark nachgelassen. Dadurch ist es vielleicht auch ge- 
kommen, daß sich heute alles mehr im Rahmen des reinen Vertreter- 
vesens abspielt, statt im eigentlichen selbständigen Erzhandel, für den 
meiner Ansicht nach nur noch ganz wenig Firmen in Betracht, kommen. 
Bernhard: Spielen bei der Preisgestaltung die Finanzierungs- 
zosten eine Rolle? 
Sachverständiger Benjamin: Ja, besonders in dem russischen 
Geschäft; denn die russischen Gruben verlangen nicht nur Voraus- 
jezahlung des Erzes, sondern außerdem noch Vorschüsse. 
Sachverständiger Bicker: So ist es bei den spanischen Gruben 
auch: nicht nur Bezahlung bei der Abnahme, sondern auch sehr große 
Vorschüsse, die man geben muß, um sich das Geschäft zu sichern. Es 
gehört eben eine starke Kapitalkraft dazu, und das ist wohl auch der 
Grund, weshalb das Geschäft mehr als Eigenhändler gemacht wird. 
Bernhard: Bei den wechselnden Konjunkturen, die in der Eisen- 
industrie und insbesondere, damit zusammenhängend, auch im Erz- 
geschäft sich ergeben, ist das Erz bei starker Weltkonjunktur knapp, so 
daß dann die Siegerländer Vorräte in Deutschland eine große Rolle 
spielen. Bei schlechter Konjunktur ist das nicht mehr der Fall. Das 
Siegerland stellt also gewissermaßen eine Reserve für gute Koniunk- 
turen dar. Die Folge davon ist, daß bei schlechter Weltkonjunktur 
Verluste entstehen. Nun ist ein Teil der Siegerländischen Gruben im 
Besitz von großen Konzernen, ein Teil ist im freien Besitz. Wenn nun 
Gewinnen‘ einzelner Jahre Verluste gegenüberstehen, wird sich das 
natürlich bei den Einzelbesitzern finanziell ganz anders auswirken. Die 
Folge der Aufwendung würde also sein, daß man den Staat oder die 
Allgemeinheit veranlaßt, das Konjunkturrisiko zu tragen, die Koniunk- 
turchance dagegen den Besitzern zu überlassen? 
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