Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

5. Die Oberpfalz. 
Die Eisenerzlagerstätten in der Oberpfalz sind darum besonders 
erwähnenswert, weil sie nicht nur die Grundlage für die ganze bayerische 
Hüttenindustrie bilden, sondern auch, weil dort immerhin recht bedeu- 
tende Erzmengen vorhanden sind, die in der weiteren Zukunft schließ- 
lich doch einmal der inländischen Erzversorgung, auch von Rheinland 
und Westfalen, nutzbar gemacht werden dürften, wenngleich vorläufig 
noch keine Aussicht auf eine praktische Lösung dieses Problems ge- 
geben zu sein scheint. 
Die sogenannten Spaltenerze, stockförmige Brauneisenstein- 
lager von außerordentlicher Unregelmäßigkeit der Ausbildung, treten 
in der Nähe der großen Randstörungen der Juraformation auf. Diese 
Lager werden heute bei Amberg, Sulzbach und Auerbach gebaut. Sie 
haben einen Eisengehalt von 45 bis 53 °/., einen geringen Mangangehalt 
und einen mäßigen und wechselnden Gehalt an Phosphor, der aber 
immerhin ausreicht, um sie zum Thomasverfahren zu verwenden. Ihr 
gesamter nachgewiesener Vorrat dürfte mit 20 bis 30 Millionen Tonnen 
einzusetzen sein; die wahrscheinlichen Vorräte sind bei der Unregel- 
mäßigkeit der Lagerstätte schwer zu erfassen, man darf sie aber wegen 
der Intensität des jahrhundertelangen alten Bergbaus in jenem Bezirk 
nicht allzu hoch veranschlagen. 
Die sogenannten Doggererze treten in regelmäßigen Lagern 
bis zu 4m Mächtigkeit mit einem wechselnden Gehalt an oolithischen 
Brauneisenkörpern und eisenschüssigem Bindemittel auf. Diese Lager 
sind in der zweituntersten Schicht des braunen Juras fast in dem ganzen 
Juragebirge Süddeutschlands weit verbreitet. Die bekannten Vor- 
kommen lassen sich auf etwa 50 Millionen Tonnen schätzen, während 
die wahrscheinlichen Vorräte wesentlich größer sein dürften. Die Erz- 
lager sind nur zu einem verschwindenden Teil ohne Aufbereitung und 
damit nur als Zuschlag zu kalkigen Erzen verhüttbar, soweit ihr Eisen- 
gehalt mindestens an 40°, heranreicht. Meistens kommt das Roherz 
mit einem Gehalt von unter 30° Fe aus. Es müßte also vor der Ver- 
hüttung wesentlich angereichert und stückig gemacht werden. Es sind 
sehr eingehende, auch praktische Versuche gemacht worden, das Erz 
aufzubereiten, ohne daß bis jetzt von einem tatsächlichen Erfolge ge- 
Sprochen werden könnte. Diese Versuche müssen aber fortgesetzt 
werden angesichts der großen vorhandenen Mengen an Roherz. 
Die Alberze. Verwitterungslagerstätten aus der ehemaligen 
Kalk- bzw. Dolomitoberfläche des Juras treten in ungewöhnlich 
wechselnder Ausbildung, überdeckt von sandigen und tonigen Schichten 
der meist tertiären „Albüberdeckung“, auf, besonders in dem Gebiet von 
Holfeld auf dem Hochplateau der nördlichen fränkischen Alb. Die Erz- 
körper sind, da sie lediglich Vertiefungen und Spalten in der Juraober- 
fläche ausfüllen, sehr vielgestaltet und zumeist recht klein. Das Erz 
besteht vorwiegend aus mulmigem Brauneisenstein, es kommen aber 
auch Derberze mit Glaskopfstruktur vor. Zahlreiche Anälysen haben 
ergeben, daß die Derberze etwa 50°/, die feineren Erze rund 40 °%, und 
der Erzmulm rund 30 % Fe enthalten. Der Rückstand beträgt 20 % 
Mangan- und Phosphorgehalt sind unbedeutend. 
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