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überhaupt die Zölle allmählich abgebaut wurden, um die bisher
hohen Preise für gewerbliche Produkte, insbesondere Eisen, hinabzudrücken
und die unentwickelte Konsumtion zu heben.
Jetzt setzte ein allgemeiner Aufschwung ein, der als eine
der wichtigsten Folgen das ausländische Kapital, das vorher
Rußland gemieden hatte, ins Land hereinzog. Die Mehrzahl
der neuen Fabrikanlagen wurde mit französischem, belgischem,
aber auch deutschem Gelde finanziert^). Durch Erhöhung der
Zollsätze für Fertigfabrikate wurde den Fabriken der inländische
Absatz gesichert. Es ist richtig, daß damit das allgemeine und
normale Entwicklungsprinzip durchbrochen wurde, daß ein an
Rohstoffen so reiches Land wie Rußland zunächst Halbfabrikate
herstellen müßte, um erst später und allmählich an die Produktion
gebrauchsfertiger und komplizierter Erzeugnisse gehen
zu können. Die Gründe für den ungewöhnlichen Werdegang
der russischen Industrie liegen darin, daß die Rohstoffbezirke
d. h. vornehmlich von Kohle und Eisenerz damals allzuweit von
den Verkehrszentren lagen und nicht so rasch entwickelt werden
konnten^). Die Fabrikgründungen geschehen deshalb fast ausnahmslos
in den der Westgrenze nächsten Landesteilen, ben Ostseeprovinzen,
besonders St. Petersburg, und Russisch-Polen gegenüber
dem oberschlesischen Jndustrierevier, wo auch die Arbeiterverhältnisse
viel günstiger lagen. Deshalb ließ der Staat
die Sorge für die Produktion ganz zurücktreten hinter der
Förderung der verarbeitenden Gewerbe und der Kräftigung der
Konsumtion.
Nationalistische Tendenzen^), die auf die völlige Selbständigkeit
der russischen Volkswirtschaft abzielten, sowie die in den
60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Erscheinung tretende
Verschlechterung der Zahlungsbilanz Rußlands brachten den
Umschwung der russischen Jndustrialisierungspolitik herbei.
Die übermächtige Konkurrenz des nordamerikanischen Getreides")
hatte den Weltmarktpreis dermaßen gedrückt, daß die
1) Das englische Kapital blieb infolge politischer Abneigung
der russischen Industrialisierung fern. (33. Wittschewsky, S. 236,
298 ff.,
2) E. Zweig. E. 105 ff.
3, V. Wittschewsky, S. 122 ff.. 306 ff.
4) V. Wittschewsky, S. 251 ff.