thumbs : Die deutsche Ölmüllerei

1.  Die  treibenden  Kräfte.

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orte  der  Ölmüllerei  und  ihre  Ursachen  behandeln  werde,  werde
ich  näher  ausführen,  wie  sich  die  Ölfabriken  mit  dem  Übergang
zur  Verarbeitung  überseeischer  Saaten  in  immer  größerer  Zahl
gezwungen  sahen  aus  Rentabilitätsgründen,  die  Hafenplätze  aufzusuchen. ­
  Eine  derartige  Verlegung  eines  Unternehmens  von
einem  an  einen  anderen  Ort  ist  nun  aber  schon  an  und  für
sich  mit  solchen  Kosten  verbunden,  daß  dieselben  nur  einem
kapitalkräftigen  Betriebe  möglich  ist.  Auch  sind  selbstverständlich ­
  die  Preise  für  den  Grund  und  Boden  an  den  Hafenanlagen
namentlich  in  größeren  Plätzen  viel  höher  als  im  Binnenlande,
so  daß  häufig  auch  aus  diesem  Grunde  eine  Verlegung  des  Betriebes ­
  für  den  kleinen  Ölmüller  unmöglich  wird 71 ).
Bedeutend  sind  auch  die  Vorteile  des  Großbetriebes  beim
Bezüge  der  Saat.  Nicht  allein,  daß  der  Saatimporteur  bei  gleichem
Preisangebot  lieber  an  den  Großbetrieb  verkauft,  weil  dieser
ihm  größere  Posten  abnimmt  und  infolge  seiner  größeren  Kapitalmittel ­
  bessere  Sicherheit  für  prompte  Zahlung  bietet,  nein,  es
tritt  auch,  wie  mir  von  kundiger  Seite  mitgeteilt  wurde,  zuweilen
der  Fall  ein,  daß  der  Saatimporteur  seinen  ganzen  Vorrat  zu
einem  etwas  geringeren  Preise  an  einen  einzigen  Großbetrieb ­
  verkauft 72 ),  obgleich  er  denselben  zu  einem  etwas
höheren  Preise  an  mehrere  kleine  Fabriken  hätte  verkaufen ­
  können.  Auch  die  Frachten  verbilligen  sich  mit  der

71 )  Einen  Begriff  von  den  Kosten  einer  Übersiedelung  in  einen  Hafenplatz ­
  bzw.  von  der  Errichtung  einer  Filialfabrik  in  einem  Hafenplatz  können
wir  uns  auf  Grund  der  folgenden  kleinen  Übersicht  machen:
a)  Im  Jahre  1899  nahm  die  Ölfabrik  Groß-Gerau,  Bremen  A.-G.  eine
Kapitalerhöhung  um  1  Mill.  M.  vor  zum  Zwecke  der  Errichtung
einer  Ölfabrik  in  Bremen.
b)  Im  Jahre  1904  nahm  die  Bremer  Ölfabrik  A.-G.  eine  Kapitalerhöhung ­
  um  1  250000  M.  vor  zum  Zwecke  der  Errichtung  einer
Ölfabrik  in  Wilhelmsburg.  Die  Baukosten  der  Wilhelmsburger
Fabrik  beliefen  sich  auf  1672096  M.
c)  Die  Baukosten  einer  von  der  Bremen-Besigheimer  Ölfabriken  A.-G.
1908/09  in  Bremen  neu  errichteten  Ölfabrik  beliefen  sich  auf
1680672  M.
d)  Im  Jahre  1910  nahm  der  „Verein  deutscher  Ölfabriken  Mannheim" ­
  A.-G.  eine  Kapitalerhöhung  um  2  Mill.  M.  vor  zum  Zwecke
der  Errichtung  einer  neuen  Ölfabrik  in  Spyck  am  Niederrhein  und
Vergrößerung  der  Wilhelmsburger  Fabrik.
72 J  Der  Grund  dürfte  auch  hier  wieder  darin  liegen,  daß  der  Großbetrieb ­
  größere  Sicherheit  für  prompte  Zahlung  bietet.
            
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