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Milch und Molkerei-Erzeugnisse.
M. Ripper fand für das Serum normaler Milch — abgeschieden durch Er
wärmen mit Essigsäure — bei 15° die Refraktion 1,3430—1,3442, Fr. Utz für
durch freiwillige Säuerung gewonnenes Serum 1,3431— 1,3442 bei 15° (die Refraktion
von Leitungswasser war 1,3328 bei 15°). H. Matthes und F. Müller 1 ) fanden
als untere Grenze 40 Skalenteile des Eintauch-Refraktometers. Die Angabe von
M. Ripper, daß man an der Refraktion des Serums die Milch kranker Kühe
erkennen könne, fand Fr. Ertel, 3 ) wie von vornherein wohl anzunehmen war, nicht
bestätigt.
b) Gewinnung und Untersuchung des albuminfreien Serums. E. Reich”)
hat vorgeschlagen, das albuminfreie Serum zu untersuchen. Er stellt dasselbe
wie folgt dar:
100 ccm Milch werden mit 0,4 ccm Eisessig in einer Flasche von 200 ccm Inhalt
gehörig durchgeschüttelt, 6—0 Minuten auf 60—65° erwärmt, abgekühlt, durch ein trocknes
Filter filtriert und das Filtrat durch 5—6 Minuten langes Erwärmen im kochenden
Wasserbade vom Albumin befreit. Darauf wird schnell abgeknhlt und das vom Albumin
durch Filtration befreite Serum zur Untersuchung verwendet. Dasselbe ist in der Regel
vollkommen klar. Nach hiesigen Untersuchungen wird durch die Abscheidung des Albumins
nach Reich das spez. Gewicht des Serums um 0,0008—0.0017 erniedrigt; dieser Unterschied
wird aber z. T. dadurch wieder ausgeglichen, daß Reich Eisessig (spez. Gewicht 1,0587)
bei der Herstellung des Serums verwendet, wodurch das spez. Gewicht um etwa 0,0006
erhöht wird. Die beim Reichschen Verfahren abgeschiedene Albuminmenge (N x 6,25)
beträgt rund 0,4 g.
16. Beziehungen zwischen spezifischem Gewicht, Trockensubstanz und Fett.
Von den vielen Formeln, nach denen bei den vorhandenen Beziehungen zwischen
spezifischem Gewicht,. Trockensubstanz und Fett aus zweien dieser Werte der dritte,
insbesondere aus spezifischem Gewicht und Fettgehalt der Trockensubstanzgehalt
berechnet werden kann, seien hier nur die zuletzt von W. Fleischraann 4 ) an
gegebenen Formeln mitgeteilt, welche unter der Annahme des spezifischen Gewichts
des Milchfettes = 0,93 bei 15° und der fettfreien Trockensubstanz = 1,5847 be
rechnet worden sind.
Ist t = Trockeusubstanzgehalt, f = Fettgehalt und s —- spezifisches Gewicht der Milch,
so wird;
266,5
266,5-f 1,2 f—t ’
1 o t i o cck 100 s — 100
t = 1,2 f-|-2,66o Oders:
f= 0,833 t -2,22 — oder 8 = ■
s 222-ff —0,833 t
Hat z. B. eine Milch ergeben:
Spezifisches Gewicht (s) = 1,0315, Fett (f) = 3,60°/ 0 und Trockensubstanz ft)—
12,30 °/ 0 , so ist;
t=l,2x 3,50 + 2,665 X — - — = 12,33 °/ 0
und
1,0316
f = 0,833 x 12,30 — 2.22 x 100 —~ 100 = 3,47 »/„.
1,0315
Die Formeln können daher zur Berechnung eines Bestandteiles aus den beiden anderen
oder als Kontrolle dazu dienen, ob man richtig gearbeitet hat; doch ist hierbei zu berück-
■>) Zeitschr. f, öffentl. Chem. 1903, 10, 173.
3 ) Milch-Ztg. 1904, 33, 81.
3 ) Ebenda 1892, 21, 274.
*) Journ. f. Landwirtschaft 1885, 33, 251.