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Das Wesen der Triebe. 
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regt den körperlichen Mechanismus wie unser Seelenleben an, mit einer Art mechanischer 
Aoͤfolge in bestimmter Weise zu handeln. Wir sprechen wenigstens mit Vorliebe da 
bon einem Trieb, wo wir glauben, das Handeln auf ein „Getriebensein“ zurückführen 
zu können, wo wir große Menschengruppen oder alle Menschen in ähnlicher Weise glauben, 
durch bestimmte seelische Grundkräste in ihren Willensaktionen beherrscht zu sehen. Wir 
bezeichnen die Handlungen als Triebhandlungen, welche uns unter der unmittelbaren 
Wirkung einer solchen Grundkraft zu stande zu kommen scheinen. 
Die Vorstellung, daß es möglich sei, eine bestimmte Anzahl sich immer gleich 
hleibender Triebe bei allen Menschen aller Zeiten nachzuweisen, müssen wir dabei freilich 
fallen lassen. Das Triebleben ist, wie wir schon bemerkt, ein Ergebnis der historischen 
Entwickelung unserer Nerven und unserer ganzen geistig-fittlichen Natur. Alle starken 
Gefühle geben Impulse zum Handeln; je niedriger die menschliche Kultur, desto unwill— 
ürlicher folgt dieses Handeln, desto näher steht es unbewußien Reflexbewegungen, desto 
nehr handelt es sich um ein wirkliches „Gelriebensein“. Je mehr die Reflexion und 
—D— zwischen den Gefühlsimpuls 
und das Handeln Vorstellungen über die Folgen, Überlegungen fittlicher Art, desto 
mehr geht das impulsive Handeln in ein überlegtes, durchdachtes, durch die Erziehung 
nodifiziertes über. Die Triebe verschwinden damit nicht, aber die reinen und bloßen 
Triebhandlungen. Unsere Handlungen werden etwas anderes, Komplizierteres, den sitt⸗ 
lchen Lebensplänen Angepaßtes; die Triebe selbst ändern sich in ihren Wirkungen. Der 
Erwerbstrieb des rohen Indianers, des Bauern, des Gelehrten, des Börsenspekulanten 
sind qualitativ und quantitativ ebenso verschieden wie der Geschlechtstrieb einer Südfee— 
infulanerin und einer gut erzogenen englischen Lady. 
Der Trieb ist der organische, von unserm Gefühlsleben und bestimmten Vor⸗ 
stellungen ausgehende Reiz zum Handeln. Er ist der natürliche Untergrund dessen, was 
durch Zucht und Gewöhnung, durch Ubung und Zähmung zur civilisserten Gewohnheit 
wird. Alle menschliche Erziehung will die Triebe ethisieren und in gewissem Sinne zu 
Tugenden erheben; aber die Triebe der heutigen Generation sind immer schon das Er— 
Jebnis einer sittlichen Erziehungsarbeit von Jahrtausenden. 
Die neuere Pfychologie, wesentlich auf andere Fragen gerichtet, hat in der Trieb⸗ 
lehre noch keine großen Forlschritte gemacht; man ist noch zu keiner einheitlichen Klassifi— 
kalion der Phänomene und zu keinen jesten Begriffen gelangt. Nichtsdeftoweniger drängt 
sich das Bedürfnis, eine Reihe von Trieben zu unterscheiden, immer wieder auf. Und 
venn die Versuche, ganze Wissenschaften aus einem oder ein paar Trieben zu er— 
klären — ich erinnere an den geselligen Trieb des Aristoteles und Hugo Grotius, an 
die Trieblehre der Socialisten, an den Erwerbstrieb der Nationalbkonomen, an die 
Heirats- und Verbrechenstriebe der Statistiker —, noch unvollkommener sind als die 
Trieblehren der Psychologen, so wird eine sociologische Betrachtung, welche nicht um 
ystemalischer Einheit willen alles aus einer Ursache ableiten will, doch immer am 
besten thun, in Anlehnung an die heutige Psychologie die wesentlichsten der gewöhn⸗ 
lichen Triebe einfach nebeneinander zu stellen und auf, ihren Zusammenhang mit den 
Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens zu prüfen, ohne damit die Prätension zu er— 
heben, eine neue Trieblehre zu geben oder gar auf sie ein ganzes System zu bauen. 
Wir kommen dabei freilich auf eine Wiederholung dessen, was wir über die Ge⸗ 
fühle gesagt; wir müssen uns andererseits mit wenigen aphoristischen Bemerkungen über 
den Selbsterhaltungs⸗ Geschlechts-, Thätigkeits⸗, Anerkennungs- und Rivalitätstrieb 
beschränken; aber diese, sowie die Hinweisung auf ihre historische Entwickelungsfähigkeit 
werben immer nicht wertlos sein und uns für die Erörterung des Erwerbstriebes vor— 
dereiten. 
74. Der Selbsterhaltungs- und der Geschlechtstrieb werden in allen 
Trieblehren vorangestellt; sie entsprechen den stärksten Lustgefühlen, wie wir bereits 
erwähni. Sie können auch, viel eher als der Egoismus oder der Erwerbstrieb, als 
der psychologische Ausgangspunkt des Wirtschaftslebens ja der ganzen gesellschaftlichen 
Orgaͤntsation angesehen werden: Durch Hunger und durch Liebe, sagt ein bekanntes
	        
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