Full text: Arbeiterschaft und Kolonialpolitik

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deutlichen Annäherungsversuchen Italiens an Südafrika, wie es 
z. B. die Entsendung des Messeschiffs „Sistiana‘ gewesen ist, 
geführt. 
Damit wird die Kolonialfrage zu einer Frage allgemeiner 
weltpolitischer Bedeutung. Werden die Kernstaaten ruhig zu- 
sehen, wie ihnen ihre Kolonien wirtschaftlich entrissen werden? 
Dann haben sie vor der Entwicklung, die zur wirtschaftlichen 
Verselbständigung der Kolonien geführt hat, kapituliert und 
werden über kurz oder lang auch den zweiten Schritt, den der 
politischen Freigabe, gehen müssen. Oder wehren sie sich gegen 
diese Eingriffe? Dann kann nur eine Reihe der blutigsten Kriege 
die Folge sein.. Und es hat sich bisher schon deutlich gezeigt, 
daß die Kernstaaten vor militärischen Eingriffen nicht zurück- 
schrecken, so letzthin wieder, als England zur „Lösung“. des 
Streits um das ägyptische Versammlungsgesetz drei Kreuzer 
nach Alexandrien entsandte. Eine dritte Möglichkeit gibt es 
nicht. Damit ist die Stellungnahme der Sozialisten von vorn- 
herein festgelegt. Da im heutigen Stadium der Entwicklung jede 
koloniale Betätigung unmittelbar mit Kriegsgefahr verbunden 
ist, müssen sie überall auf den Abbau kolonialer Bestrebungen 
hinwirken. 
Von dem gesamten englischen Außenhandel entfällt nur 
etwa ein Drittel auf seine Kolonien. Für das Jahr 1925 sind 
die folgenden Zahlen charakteristisch: 
da 
Do- 
minions 
Indien 
Übriges 
Reich 
Gesamt 
Fremde 
Länder 
Ins- 
gesamt 
Einfuhr aus , .' 223.2 |. 64.7 
Ausfuhr nach .! 183.1 86.1 
Durchfuhr nach | 20.8 1.2 
Gesamt- ; 
außenhandel.. 427.2 / 152.0 124.0 | 703.2 [29 2.004 
Prozent. .. .1| 20 ” 6 33 67 100 
1,167 
773 
154 
Der wesentlichste Grund für diese Entwicklung liegt in der 
Industrialisierung der kolonialen Gebiete. Diese wie- 
der, nur zum Teil eine unmittelbare Folge des Krieges, beruht 
auf der wachsenden Ausbeutung der kolonialen Arbeitermassen, 
die ihrerseits wieder zurückwirkt auf den niedrigen Lebens- 
standard der europäischen Arbeiterschaft, auf die Ausdehnung 
der europäischen Arbeitslosigkeit, die in dem gleichen Maße 
gewachsen ist wie die überseeischen Standortindustrien sich 
entwickelt haben. Die handelspolitische Loslösung der Kolonien 
vom Mutterlande wäre in noch viel höherem Maße und viel 
rascherem Tempo erfolgt, wenn nicht die Kapitalmächte Euro- 
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