Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

wird auch die Zunahme des Grundbesitzes bei den Bauern durch diese 
Zahlen ganz deutlich bewiesen. Was die geringere Zunahme in dem 
Dezennium 1888 - 1897 betrifft, so fällt sie ausschliesslich auf das Gou 
vernement Ekaterinoslaw und das Dongebiet und zwar auf ersteres 
infolge einer Konzentrierung des Grund und Bodens in den Händen von 
Kaufleuten und verschiedenen Unternehmern. Infolge der Ungenauigkeit 
der von uns oben angeführten Angaben müssen wir uns zu den anderen 
indirekten Zahlen wenden. Als solche können uns die von derselben 
Kommission veröffentlichten Angaben über die Veränderung im besteuerten 
Areale des bäuerlichen resp. des adeligen Grundbesitzes dienen. So 
betrug die Fläche des besteuerten Landes im Verhältnis zur gesamten 
besteuerten Fläche in Prozent ausgedrückt: 
(Tabelle V!) bei den Bauern: bei den Adeligen: 
1875 7,9 Prozent 77,7 Prozent 
57,7 
44,9 
1887 15,6 
1900 24,2 
Es ergeben sich aus diesen Zahlen eine starke Abnahme des 
Grundbesitzes bei den Adeligen, dagegen eine starke Zunahme des bäuer 
lichen Grundbesitzes. Dieselbe Erscheinung, wenn auch mit grossen 
Schwankungen, aber immer in derselben Richtung, wird in den Aende- 
rungen des Privatgrundbesitzes auch in den einzelnen Gouvernements 
beobachtet. Noch grössere Zunahme des Grundbesitzes findet statt bei 
den Kaufleuten und Kleinbürgern, die das Land nur zu Unternehmungs 
zwecken erwerben. — So z. B. erwarben die Kaufleute und «Ehren 
bürger» im Gouvernement Cherson im Jahre 1895 bis zum Jahre 1900 
145 335,22 Dess. und die Kleinbürger 132302,19 Dess. von Grund 
und Boden. So schiebt die Grundmobilisierung den ständischen Charakter 
des. Grundbesitzes in den neurussischen Gouvernements ab. Ehemalige 
Grundbesitzer, die es nur durch ihre Angehörigkeit zum privilegierten 
Stande geworden sind, werden jetzt durch andere soziale Gruppen, 
überhaupt durch einen Jeden, der es vorteilhaft findet, sein Kapital im 
Ackerbau anzulegen, verdrängt. Wie Masloff sich ausdrückt, gehen der 
Adel und die Klasse der Grundbesitzer, die früher identisch waren, 
immer mehr auseinander. 1 ) 
Untersuchen wir die Grösse der durch den Kauf resp. Verkauf er 
worbenen Grundstücke und die Fläche der einzelnen auf die Angehörigen 
verschiedener ständischer Gruppen fallenden Grundstücke, so tritt 
der kapitalistische Charakter des Grundbesitzwechsels noch deutlicher 
') Masloff, die Agrarfrage in Russland II. Aufl. St. Petersburg 1905, S. 225,
	        
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