Wirtschaft und Steuerpolitik, 275
Heer und Marine kosteten, oder der Betrag, den heute die Reichsfinanz-
verwaltung aus der Einkommensteuer erwartet, Die Zahl der plan-
mäßigen Beamten im Reich beträgt ohne Wehrmacht 94332, davon
entfallen allein auf die Finanzverwaltung 73227, Im Jahre 1913 zählte
das Reich 19255 planmäßige Beamte,
Auch in den Länderetats zeigt sich ganz allgemein eine bedeutende
Steigerung der Ausgaben, nicht bloß gegenüber 1913, sondern auch
gegenüber 1924, Besonders auffallend ist hier die starke Vermehrung
des Personals, die zu einem Teil erklärt wird durch die Übernahme
der Polizei auf den Staat, Nach dem preußischen Haushaltsplanent-
wurf für 1925 sollen aus Überschüssen der Betriebe und aus Steuern
1 Milliarde 427,2 Millionen Mark gedeckt werden. Preußen erwartet
allein an Steuern 1373 Millionen Mark, also 2%mal soviel als 1913,
Der Mehrbedarf Preußens beläuft sich, trotzdem eine Reihe von Ver-
waltungen an das Reich übergegangen und auch das Staatsgebiet ver-
kleinert ist, auf 558,2 Millionen Mark, also etwa 60 % mehr gegenüber
1913. Die für Besoldung aufzubringenden Beträge haben sich von
460 Millionen im Jahre 1913 auf 891 Millionen, d. h. um 91,7 %, erhöht,
Die Kopfzahl der Beamten und Angestellten ist von 109 203 auf 182 157
gestiegen, wovon allerdings 63 000 auf die Polizei entfallen. Wenn man
die Vermehrung der Polizei und sonstige organisatorische Verwal-
tungen außer Betracht läßt, so bleibt eine Vermehrung des Personal-
bestandes gegenüber 1913 in Preußen von 11 500.
Auch in Bayern ist eine erhebliche Vermehrung des Beamten-
apparates festzustellen. Wenn man die Verwaltungsänderungen, um
eine richtige Vergleichszahl zu gewinnen, berücksichtigt, beträgt diese
50 % oder 10 000 Personen, Der Besoldungsbedarf hat sich gegenüber
1913 rund verdreifacht,
Im Freistaat Sachsen sind die persönlichen Ausgaben, wenn man
gleichfalls durch Berechnungen die verwaltungsmäßigen Änderungen
berücksichtigt, von 1913 bis 1925 von 70 Millionen auf 200 Millionen
angewachsen. Die Zuschüsse zu den Verwaltungskosten sind von
rund 85 Millionen im Jahre 1913 auf 193 Millionen im Jahre 1925
gestiegen,
Ähnlich liegen die Verhältnisse in den anderen Ländern, Endlich
ist interessant, festzustellen, daß nach der Besoldungsdenkschrift der
Reichsregierung der jährliche gesamte Besoldungsaufwand der öffent-
lichen Körperschaften im Reich einschließlich Militärverwaltung, Post,
Eisenbahn, der Länder und Gemeinden nach dem Stande vom Dezem-
ber 1924 8% Milliarden Mark beträgt. Wir zahlen also allein für diese
Zwecke fast das Doppelte dessen, was 1913 durch Steuern aufgebracht
worden ist,
18 *