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Dichtung.
Kein rückwärts schauender Prophet,
Geblendet durch unfaßliche Idole;
Modern sei der Poet,
Modern vom Scheitel bis zur Sohle.
(Arno Holz.)
Und da begann sich denn das Bild zu runden, das Bahr ge⸗
legentlich der Beschreibung der spanischen ,Moderne“ so anmutig
gezeichnet hat: „Der Hochmut gegen alles, was vorher geschah,
und der einsame Stolz, der alle Hoffnungen der Menschheit
erst von sich selbst datiert, verächtlich gegen die Narren und
Schurken ringsum in Vergangenheit und Gegenwart; der
kühne, weltüberfliegende Schwung, der sich immer gleich an
ganz Europa adressiert; das üppige Pathos, das die nüchternen
Gründe des Verstandes verschmäht und durch das kämpferische
Säbelrasseln des Pronunciamentos ersetzt; jene wunderliche
Mischung von Arme-Leute-Geruch und einer gymnasiasten—
haften Grandezza, und eine unerschöpfliche Lust am ewigen
Reformieren, die nichts in der ganzen Welt in Ruhe lassen
will; natürlich auch ein unerbittlicher Pessimismus, der kein
Mitleid kennt: alles ist schlecht, ohne Ausnahme, wohin immer
man sich wenden mag.“ Und mancher hoffnungsvolle Mutter—
sohn ging an dieser Stimmung zu Grunde. Denn mit der
Nervosität, die sich bei der scharfen Aufnahme impressionistischer
Momente namentlich anfangs fast ausnahmslos einstellte, ver⸗
band sich nur zu häufig ein Cynismus, der nichts für rein
hielt und darum auch sich selbst besudelte.
Im übrigen prägte sich für den oberflächlichen Beobachter
der neue Zustand namentlich in zwei Richtungen aus: die
Jungen waren antiklassisch, und sie waren antibürgerlich. Sie
waren antiklassisch, weil sie um jeden Preis national sein
wollten, und weil sie die Antike als durch sich überwunden
betrachteten. Sie waren antibürgerlich, weil sie durch die
Stoffwahl zu ihren Dichtungen auf das impressionistisch
zunächst am leichtesten zu Bewältigende, auf das Leben der
unteren Stände, hingewiesen waren, weil sie zumeist arm
waren, wie einst die Pariser antibourgeoise Boheẽme und die