Telephonverkehr.
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wo zurzeit etwa 7—8 Milliarden Telephongespräche im Jahr geführt werden und wo
einzelne Städte, wie z. B. Los Angeles, eine solche Fülle von Telephonanschlüssen aufweisen,
oaß je ein Anschluß auf nur vier Einwohner kommt. Auch in Europa sind etwa die skan
dinavischen Länder in bezug auf ihre telephonische Entwickelung Deutschland ganz erheblich
überlegen.
Das Streben der Fernsprechtechnik geht einmal dahin, die Schnelligkeit der Anschlüsse
tunlichst zu verbessern, ferner dahin, über bedeutende Entfernungen die Deutlichkeit der Ver
ständigung ständig zu erhöhen und eine telephonische Unterhaltung auf immer größere Di
stanzen zu ermöglichen. — Dem ersteren Zweck dienen, neben zahlreichen andren technischen
Neuerungen, vor allem die automatischen Telephonämter, die es jedem Teilnehmer
gestatten, sich mit wenigen Handgriffen jeden gewünschten Nummeranschluß zu verschaffen
und sich somit unabhängig zn machen von der oft unzuverlässigen und leicht nervös machen
den menschlichen Vermittelung des „Telephonfräuleins". Die automatischen Ämter, deren
genaue Beschreibung einen sehr breiten Raum einnehmen würde, dürften sich nach und nach
alle Großstädte erobern: bisher ist nur ein automatisches Amt in Deutschland dem Betrieb
übergeben worden: in München.
Tie Bestrebungen, die Entfernungen des Telephonverkehrs vergrößern zu wollen,
schienen lange Zeit scheitern zu wollen, nicht so sehr an technischen als an finanziellen
Schwierigkeiten. Das Fernsprechen durch einen Metalldraht von bestimmter Dicke ist nicht
auf beliebige Entfernungen möglich, sondern räumlich begrenzt. Will man weiter sprechen,
so muß man den Querschnitt der Leitung erhöhen. Ta nun aber die Kosten der Leitung
natürlich proportional dem Querschnitt zunehmen, so ist es klar, daß der Betrieb bald un
rentabel wird, und daß man nur zwischen den Hauptknotenpunkten des Verkehrs- und
Geschäftslebens lange Fernsprechverbindungen von vielen hundert Kilometern herstellen
kann. Demgemäß ist die Zahl der ausländischen Orte, mit denen die deutschen Großstädte
telephonisch verkehren können, durchaus nicht groß; über 1000 km gingen noch vor einigen
Jahren nur folgende Linien hinaus:
Berlin—Paris 1186 km
Paris—Rom 1593 km
Berlin—Marseille 1800 km.
Besonders arg wurde das Hindernis der Entfernung empfunden, wenn ein Meeresteil
im Zuge der beabsichtigten Telephonverbindung lag. Größere Meeresarme waren bis in
die jüngste Zeit gar nicht oder nur ausnahmsweise vom Fernsprechverkehr zu überwinden,
und schon die Herstellung von Fernsprechlinien zwischen Paris und London (zuerst 1891
durch ein Kabel Sangatte—Dover erreicht) oder Berlin und Kopenhagen war mit be
trächtlichen Schwierigkeiten verknüpft. Strecken, wie etwa Berlin—London oder Berlin—
Stockholm haben sich, ungeachtet ihrer außerordentlich großen Wichtigkeit, bis ans den
heutigen Tag als nicht durchführbar erwiesen, dürften aber gleichfalls in einer Reihe von
Jahren ermöglicht werden.
Ta nun hat das zwanzigste Jahrhundert eine Methode kennen gelehrt, um, wenigstens
für viele Fälle, dem genannten Übelstand mit Erfolg entgegentreten zu können. Diese
Methode besteht in der künstlichen Erhöhung der sogenannten Selbstinduktion der
Kabel und Luftleitungen. Diese wurde entweder erreicht durch eine Umspinnung der
Kupferleiter mit feinem Eisendraht (Krarnpsche Methode), wie sie z. B. bei einem Fern
sprechkabel zwischen Fehmarn und Laaland (1903) und bei einigen kleinen Kabeln in der
Nordsee Anwendung gefunden hat, oder aber durch Einschaltung von eigenartig konstru-
ierten Spulen in regelmäßigen Entfernungen, die bei Kabeln meist etwa 1 1 j 2 t bei Frei
leitungen 4 bis 8 km beträgt (Pupinsche Methode). Insbesondere das Pupinsche System,
das 1900 bekannt gegeben wurde, hat hohe Bedeutung erlangt und dürfte in Zukunft sich
immer noch wichtiger erweisen. In der amerikanischen Union, der Heimat der Erfindung,
hat man mit Hilfe des Pupinsystems schon einen rationellen Fernsprechbetrieb über
3200 km durch Freileitung (New Uork—Denver) und über 700 km durch Kabel (Washing
ton—Baltimore—Wilmington—New Uork -Boston) ermöglicht. In Europa hat man die