460
Zweiter systematisch-theoretischer Teil
des Grund- und Kapitaleigentums es daran festhält und selbst mit
der Geißel der Not darauf vorwärts treibt.“
Nicht weniger Beachtung verdienen jedoch auch die rein wirt-
schaftlichen Bedenken. Wohl ist es sicher zutreffend, daß eine
planwirtschaftlich aufgebaute Güterproduktion, wie sie den Sozia-
listen vorschwebt, die Tendenz hat, im Vergleich zu den gegen-
wärtigen Verhältnissen die Gütererzeugung zu steigern und viel-
leicht auch billiger zu gestalten. Schon allein die Tatsache einer
größeren Planmäßigkeit in Produktion und Handel, auch einer
stärkeren Betriebskonzentration, kann Wirkungen nach dieser
Richtung hin ausüben. Denn so hoch man auch die Leistungs-
fähigkeit der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung und die Bedeutung
der Konkurrenz dafür einschätzen kann, so ist doch kein Zweifel,
daß in der Gegenwart sehr viel wirtschaftlicher Leerlauf stattfindet.
Hier sind unstreitig Tendenzen vorhanden, um die Rationalisierung
der Wirtschaft noch weit vollkommener durchzuführen als es heute
bereits der Fall ist *).
Freilich stehen dann diesen günstig wirkenden Tendenzen
schwere Aufgaben auf der anderen Seite gegenüber, von denen
man nicht sagen kann, ob sie in einer sozialisierten Wirtschaft über-
haupt befriedigend und erfolgreich gelöst werden können und ob
nicht daraus Schwierigkeiten entstehen können, die imstande sind,
jene eben dargelegten günstigen Kräfte in ihr Gegenteil zu ver-
kehren. Es handelt sich hier um das neuerdings so viel erörterte
Problem der Wirtschaftsrechnung in einer sozialistischen Gesellschaft.
Für die Frage, um die es sich dabei handelt, kann man mit
Cassel davon ausgehen, daß das Prinzip der Knappheit für eine
sozialistische Wirtschaftsordnung genau die gleiche Bedeutung hat
wie für die gegenwärtige, „nur, daß es in der einheitlich und
rationell geleiteten sozialistischen Wirtschaftsordnung eigentlich sehr
viel vollkommener eingehalten werden müßte, als dies in der be-
stehenden Wirtschaftsordnung möglich ist“?). Auch die supplemen-
tären Prinzipien der Preisbildung haben für eine solche Wirtschafts-
ordnung die gleiche Bedeutung wie für die gegenwärtige. Die
jetzige Ordnung kennt einen Markt und Marktpreise und die Ver-
hältnisse, die sich hier auf dem Markte gestalten, sind regulierend
für die Produktion und die Güterverteilung. Dieses regulierende
1) The waste of capitalism. Report of the comittee of inquiry into production
„ London o. J., 1926.
?) Theoretische Sozialökonomie, 1918, S. 109.