Full text : Der deutsche Buchhandel

48 III. Die Zweige des deutschen Buchhandels.

an erster Stelle wären zu erwähnen: Jacques Charles Brunet, Manuel
du libraire et de amateur de livres, der in Paris von 1860—80 in
sechs Teilen mit Ergänzungsbänden erschien und 1921 eine anastatische
 Neuauflage in Berlin erlebte, und Friedrich August Ebert,
Allgemeines bibliographisches Lexikon, das 1821—30 in Leipzig in
zwei Bänden erschien. Hervorragende bibliographische Beachtung
fanden die Wiegendrucke. Ihre Verzeichnung dürfte mit dem „Gesamtkatalog
 der Wiegendrucke“, der im Verlag von Karl W. Hiersemann
 erscheint, einen vorläufigen Abschluß finden. Der Antiquar
muß hier auf ein Buch verwiesen werden, das zum unbedingten Rüstzeug.
 jedes Buchhändlers gehört. Es ist das „Handbuch der Bibliographie‘“
 von Georg Schneider im gleichen Verlage.
In den Handbüchern sind zumeist keine Preisangaben enthalten,
wohl aber Mitteilungen über Seltenheit und manches andere, was die
Preisfestsetzung erleichtert. Dazu gilt es vor allem, neben der
Beobachtung der Kataloge von führenden Antiquariaten die Auktionen
 zu verfolgen. Eine Zusammenstellung findet sich auch regelmäßig
 in dem „Jahrbuch der Bücherpreise“, das seit 1907 im
Verlag von Otto Harrassowitz in Leipzig erscheint.
„Aber trotz dieses großen Apparate,“ sagt Max Weg in seiner lesenswerten
 Schrift: Das deutsche wissenschaftliche Antiquariat „hat es noch
kein Antiquar zur Unfehlbarkeit gebracht. Böcke schießt jeder, jahrelange
Erfahrung kann nicht verhindern, daß man Bücher zu hoch, oder, was viel
schlimmer und nicht so leicht gutzumachen ist, zu niedrig. einschätzt. Eine
Flut von Bestellungen öffnet dem Antiquar, welcher sich geirrt hat, die
Augen, wenn es schon zu spät ist, den Fehler gutzumachen, er merkt, daß
er wieder einmal durch Schaden klug geworden ist.“ Und an anderer Stelle
lesen wir: „Der Antiquar kann sich nicht in das Alte zurückziehen, er muß
das Neue mit gleicher Aufmerksamkeit verfolgen wie der Sortimenter. Dem
das Neue von heute wird morgen alt sein und ihm anheimfallen ..... Das
Gefühl, seine Kraft nicht zersplittern zu dürfen, beseelt jeden denkenden
Antiquar, er fühlt, daß es ihm unmöglich ist, das Ganze zu beherrschen,
er weiß, daß er nur etwas leisten kann, wenn er seine Kraft auf einem
Einzelgebiet vereinigt — er wird Spezialist. Wir haben Spezialantiquariate
für Naturwissenschaft, Medizin, Theologie usw. usw.“
Neben dem wissenschaftlichen Antiquariat hat sich ein besonderer
buchhändlerischer Handelszweig als „Großantiquariat“ oder „Restbuchhandel“
 entwickelt. Dieser Handel widmet sich dem Ankauf
von Auflageresten, die vielfach von den Verlegern abgestoßen werden,
 um aus toten Lagerbeständen neue Werte zu schaffen, wenn
auch hieraus buchmäßig Verluste entstehen. Solche Bücher werden,
wie der Fachausdruck lautet, „verramscht“. Ihr Ladenpreis ist aufgehoben.
 Sie gehen, soweit der Sortimentsbuchhandel dafür nicht
aufnahmefähig ist, zuweilen in großen Posten an die Warenhäuser,
denen sie bei Gegenüberstellung des ehemaligen Ladenpreises und
des nunmehr beliebig festgesetzten Verkaufspreises den Ruf besonderer
 Billigkeit der Warenhausartikel in den Augen des Käuferpublikums
 verstärken.
            
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