Hadj-Ahmed Messali, 97
Herzen den Organisatoren dieses Kongresses und bringen Ihnen, sowie allen
Menschen von Gewissen, die es gewagt haben, die unterdrückten Völker zu
einem wirksamen Kampf gegen den Imperialismus zusammenzubringen,
unsere heißesten Grüße dar. Das nordafrikanische Volk ist glücklich, an
diesem Kongreß teilnehmen und methodisch und hartnäckig für die absolute
Befreiung des afrikanischen Volkes, das sich seit mehr als einem Jahrhundert
unter französischer Herrschaft befindet, arbeiten zu können.
Ungefähr im Jahre 1830 ergriff Frankreich Besitz von unserem Ge-
biete, und es steht heute noch, im Jahre 1927, an derselben Stelle. Jeder
Protest gegen die Unterdrücker unserer Freiheit wird sofort durch die bru-
talsten Maßnahmen erstickt. Ein Beispiel: Als einer unserer hervorragendsten
Mitbürger, ein Enkel Abdel Kaders, des tapferen Verteidigers des algerischen
Volkes, ein paar Reformen verlangte, die vielleicht unsere üble Lage etwas
gebessert hätten, antwortete ihm die Regierung mit Einkerkerung und
Exil.
Algerien befindet sich in einem gleichen Zustand, der weit davon
entfernt ist, den sogenannten zivilisierten Mächten Ehre zu machen.
600000 Kinder laufen in den Straßen herum, weil es keine Schulen gibt,
Systematisch eliminiert man die arabische Sprache und das Recht der Ein-
geborenen, freie Schulen zu errichten.
Die Armut wütet in unserm Lande. Wir haben periodische Hungersnöte,
und jedes Jahr sterben Tausende von Eingeborenen vor Hunger und Kälte.
Jedermann hat im Jahre 1922 und 1923 und wird auch jetzt noch fest-
stellen können, wie die Eingeborenen in den städtischen Siedlungen alle
Morgen aus dem Abfall ihre Nahrungsmittel heraussuchen. Diese perio-
dische Hungersnot ist die Folge der systematischen Landenteignung der
Eingeborenen, die auch ihrer sonstigen Güter beraubt werden. Mehr und
mehr werden sie auf die Hochebene zurückgedrängt, wo der Ackerbau ihnen
nicht genügend Erträgnisse liefert, um ihren Lebensunterhalt sicherzu-
stellen. 800 000 Europäer besitzen 2 800 000 Hektar Land. Die Enteignung
des Bodens geht im Tempo von ungefähr 60 000 Hektar im Jahre: vor‘sich,
die aus den Händen ihrer eingeborenen Besitzer in die Hände der Schützlinge
des Imperialismus übergehen. Es ist noch die unerhörte Ausbeutung‘ der
landwirtschaftlichen Arbeiter hinzuzufügen. Wir sind daher überzeugt; daß
uns nur ein Mittel bleibt, nämlich uns zu vereinigen, um endlich die Be-
freiung der unterdrückten Völker zu erreichen.
In bezug auf unsere Entwicklung möchte ich sagen, daß wir die
Abkömmlinge einer alten Zivilisation sind, die.Sie-alle kennen; aber wir
Stehen keineswegs gleichgültig der durch den. modernen Fortschritt mög-
lichen Zivilisation gegenüber. Denken Sie mur.anm den Kampf, welchen
das kleine Rifvolk während 15 Monaten führen konnte. Vor der ganzen
Welt betonen wir daher unsere Fähigkeit, selber die Geschicke unseres
Das Flammenzeichen vom Palais Egmont.