Ich finde es ebenso überflüssig, die deutschen Teilnehmer der
Konferenz an die energische Sprache ihres größten Juriskonsulten
von Ihering zu erinnern, welcher in einem poetischen, romantischen
Aufsatze die koloniale Eroberung zu rechtfertigen suchte,
Die Regierungen aller Zeiten haben sich wenig um diese Sprach-
künstler und akademischen Diskussionen gekümmert. und dafür
„reale‘ Politik gemächt, die wir in wenigen Worten zusammenfassen
können: Die politische Macht zu erweitern, die Expansionsbedürf-
nisse zu befriedigen, den Markt für die nationale Industrie erweitern,
mittels der kolonialen Ausbeutung und im Zusammenhang mit dem
Export die einheimische. Arbeiterschaft korrumpieren, um so die ein-
heimische ausgebeutete Arbeiterklasse von den ausgebeuteten und
unterdrückten Kolonialvölkern zu trennen und sich so die Herrschaft
auf den Schultern der ausgebeuteten Arbeiterklasse und der unter-
drückten Kolonialvölker auch weiterhin zu sichern.
Im Hinblick auf die Beherrschung der Kolonialvölker ergibt sich
folgendes Bild:
Es unterdrücken: Großbritannien 404 Millionen, . Frankreich
52 Millionen, Holland 48 Millionen, Portugal ‚8 Millionen, Belgien
10 Millionen, die Vereinigten Staaten 10 Millionen, Japan 21 Mil-
onen, Italien 1 Million, Spanien ‚600- bis 700 000 Kolonialbevöl-
kerung, Wenn wir aber zu diesen 5- bis 600 Millionen Ein-
geborenen der Kolonien, die der imperialistischen Vormundschaft
unterworfen sind, auch China, das als eine Halbkolonie zu betrachten
ist und welches, wie Sie wissen, schon jahrelang darum ringt, die
internationale imperialistische Vormundschaft niederzuwerlfen, sowie
auch die meisten Staaten Zentralamerikas und Lateinamerikas hinzu-
fügen, so können wir sagen, daß mindestens % der Menschheit als
Kolonialsklaven unter dem imperialistischen Joche stehen.
Die Fragen des Gemeinrechtes und alle die Verschiedenheiten,
die man in den Kolonien, beim Protektorat und beim internationalen
Mandat festzustellen sucht, müssen wir gleichfalls beiseite legen, In
der Wirklichkeit haben alle diese Fragen bloß Interesse für Diplo-
maten. Tatsächlich findet man immer, sowohl in dem Protektorat
als auch in den Kolonien und in den internationalen Mandaten, nur
die Gewalt des imperialistischen Staates, welcher ihnen ihre Gesetze
diktiert, Ob sie einen Bey oder einen Sultan behalten, immer ist es
der imperialistische Staat, der ihnen ihre Gesetzgebung aufzwingt,
Dann die Verschiedenheiten, welche die Kolönialsoziologen be-
zeichnen; Unterwerfung, Assimilation und Autonomie, Die Fest-
stellung dieser Verschiedenheiten läßt glauben, daß die Kolonien
einige Etappen durchzumachen haben: zuerst die Unterwerfung, dann
die Assimilation, dann die Autonomie und als Folge die Unabhängig-
keit. Tatsächlich aber ist nichts davon wahr, Statt der Autonomie
und der Unabhängigkeit entgegenzuschreiten, werden die Kolonial-
völker einer Gesetzgebung unterworfen, die zu einer immer größeren,
härteren und grausameren Unterwerfung führt.
Die französische koloniale Gesetzgebung hat formell das Prinzip
der Aufrechterhaltung der einheimischen Institutionen bestätigt,
Dieses Prinzip finden wir auch in den meisten der kolonialen Gesetz-
gebungen, wie in England, Belgien, Holland, Italien usw.
Aber wie Sie wissen, wird die kapitalistiscche Welt von den
Gegensätzen verzerrt, die sie nicht los werden kann. Und nachdem
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