Object : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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elbien  von  ihm  verschont  blieb.  Auch  sehten  die  Junker  es  durch,  daß  die
Benutzung  dieser  Wasserstraße  möglichst  verteuert  wurde.  Der  große  westfälische ­
  Bergarbeiterstreik  des  Jahres  1905  hatte  eine  Novelle  zum  Preußischen
Berggesetz  zur  Folge,  die  den  Arbeitern  einige  Zugeständnisse  macht  (Verbot
des  „Nullens",  Arbeiterausschüsse,  Zulassung  von  Vertretern  der  Arbeiter
bei  Begutachtung  der  Förderung),  sonst  aber  so  weit  hinter  ihren  Forderungen
zurückbleibt,  daß  sie  das  Verlangen  nach  einem  Reichsberggesetz  nur  gesteigert
hat.  Am  den  Einfluß  der  Regierung  im  Rat  der  westfälischen  Grubenlords ­
  zu  stärken,  ließ  sich  Minister  Möller  vom  Landtag  gegen  70  Millionen
Mark  zum  Ankauf  von  Aktien  des  Libernia-Anternehmens  bewilligen,  verfuhr ­
  in  der  Sache  dabei  aber  so  maßlos  ungeschickt,  daß  er  bald  darauf
sein  Amt  niederlegen  mußte.  Er  hatte  den  Magnaten  von  Kohle  und
Eisen  den  Pelz  waschen  wollen,  ohne  ihn  naß  zu  machen;  die  aber  gaben
ihm  zu  verstehen,  daß  er  ihnen  den  Staub  wegzublasen  habe.  Worauf
der  lange  Möller  flog  und  durch  den  bisherigen  Oberpräsidenten  Delbrück
ersetzt  wurde.  Am  dieselbe  Zeit  bekamen  das  Ministerium  des  Innern  in
Lerrn  von  Bethmann  Lollweg,  das  Justizministerium  in  Lerrn  Beseler
und  das  Landwirtschaftsministerium  in  Lerrn  von  Arnim-Kriewen  ebenfalls ­
  neue  Vorsteher.
Der  neue  Reichstag  bewilligte  als  eine  seiner  ersten  Taten  Kredite  für
die  Niederschlagung  des  in  Südwest-Afrika  ausgebrochenen  Aufstands  der
Lerero.  Da  sich  auf  Grund  der  ersten  Nachrichten  aus  dem  Aufstandgebiet ­
  nichts  Genaues  über  die  Arsachen  des  Aufstands  feststellen  ließ,
sondern  nur  die  Tatsache  vorlag,  daß  deutsche  Ansiedler  und  ihre  Angehörigen ­
  getötet  worden,  andere  in  Lebensgefahr  waren,  hielt  es  die
sozialdemokratische  Reichstagsfraktion  nicht  für  richtig,  die  Kredite  zu  verweigern, ­
  konnte  aber,  als  Gegnerin  des  Systems,  nach  dem  die  Kolonien  verwaltet ­
  und  die  Eingeborenen  auf  ihnen  behandelt  werden,  die  Mittel  auch  nicht
bewilligen  und  übte  daher  bei  der  ersten  Beratung  der  Regierungsvorlage
motivierte  Stimmenenthaltung.  Als  später  genauere  Nachrichten  eintrafen,
aus  denen  hervorging,  daß  die  Lerero  durch  höchst  wucherische  Praktiken
von  Ländlern  und  deren  Anterstützung  durch  deutsche  Behörden  zum  Verzweiflungskampf ­
  getrieben  worden  waren,  da  lehnten  die  Sozialdemokraten
die  Mittel  für  die  Kriegsführung  ab,  indem  sie  verlangten,  daß  mit  den
Lereros  friedlich  verhandelt  und  ihren  Beschwerden  abgestellt  werde.  An
dieser  ablehnenden  Laltung  hielten  sie  auch  bei  den  nachfolgenden  Kreditforderungen ­
  für  den  Krieg  in  Südwest-Afrika  um  so  mehr  fest,  als  die
Art  der  Kriegsführung  ihren  Protest  in  mehr  als  einer  Linsicht  herausforderte. ­
  Abgesehen  von  den  Verlusten  an  Menschenleben  hat  dieser  Krieg
dem  deutschen  Volk  weit  über  300  Millionen  Mark  gekostet.
Gesetzgeberisch  brachte  die  Session  von  1904  ein  Gesetz  über  die  Errichtung ­
  von  Kaufmannsgerichten  und  ein  Gesetz  über  die  Entschädigung ­
  unschuldig  Verhafteter.  Obwohl  die  Sozialdemokratie
anerkannte,  daß  beide  Gesetze  Forderungen  entsprachen,  die  sie  oft  erhoben
hatte,  und  sich  alle  Mühe  gab,  ihnen  einen  wahrhaft  fortschrittlichen
Charakter  zu  geben,  mußte  sie  wegen  Ausschluß  der  Frauen  und  Ansetzung
viel  zu  hohen  Alters  für  die  Wählbarkeit  gegen  die  Kaufmannsgcrichte  und
wegen  Einfügung  von  allerhand  Kautschukparagraphen  auch  gegen  das  Entschädigungsgesetz ­
  stimmen.
            
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