mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 181
vermag ja nicht immer ihre Wünsche zu verwirklichen. Be-
rechtigt an sich wäre auch eine Theorie, welche Stufen nach dem
Subjekt der Wirtschaftspolitik bildet. Indessen man darf nicht
Stufen, die je nach der Länge des von den Waren zurückgelegten
Wegs unterschieden werden, mit solchen, bei denen in dem Wech-
sel des Subjekts das entscheidende Moment gesehen wird, durch-
einander mischen, und man hat weiter stets zu fragen, ob eine
etwaige Wirtschaftspolitik so wirksam ist, daß sie die Länge des
Warenwegs maßgebend bestimmt.!)
Im übrigen halten wir uns gegenwärtig, daß das Wort
Volkswirtschaft?) mehrdeutig ist. Wir behalten es bei, weil es
sich nun einmal eingebürgert hat, weisen aber darauf hin, daß
wir hier bei Volk die Staatsnation im Auge haben, nicht etwa
die Nation, die sich zum Staat gegensätzlich oder auch nur neu-
tral verhält.
Als lehrreiches Beispiel für die an sich bestehende bunte Ver-
wendungsmöglichkeit des Worts führen wir noch den Vorschlag
an, den A. Voigt (Das System der ökonomischen Wissenschaften,
Ztschr. f. Sozialwissenschaft 1914, S. 818) macht: „Am zweck-
mäßigsten bezeichnet man alle auf die Stadtwirtschaft folgenden
Wirtschaftskörper als moderne Wirtschaftskörper, unter denen
man dann noch die älteren nationalen Wirtschaftskörper und
den der neuesten Zeit angehörigen internationalen Wirtschafts-
körper unterscheiden kann. Der Name ,Volkswirtschaft“ bleibt
dann, dem Sprachgebrauch am besten entsprechend, vorbe-
halten als allgemeine Bezeichnung für .die Wirtschaft der
Wirtschaftskörper überhaupt, aller Arten und Größen,
wobei das Wort ,„Volk“ den unpolitischen Sinn einer wirtschaft-
lichen Interessengemeinschaft von Personen hat." Zu den
„Volkswirtschaften“ rechnet Voigt auch die „kleinsten Wirtschafts-
1) Dies gegen Schmoller und Plenge. S. oben S. 170 Anm. 3.
?) Nach Harms, Volksw. u. Weltw. S. 98 begegnet es zuerst bei
Hufeland (1807), als Überseßsung von Nationalökonomie. – Die
Definition, die Harms S. 100 gibt, läßt nicht das genügend hervor-
treten, was für unsere Stufentheorie in erster Linie in Betracht kommt,
nämlich den langen Weg.