EINLEITUNG
unter der Erdoberfläche liegenden leichtlöslichen Salpeterlager der
Atacama konnten sich nur in einem Gebiet extremer Trockenheit bis
zur Gegenwart erhalten. Das tropische Klima mit seinen hohen Tem-
peraturen und seiner Wasserfülle, noch mehr das polare Klima sind
für den Bergbaubetrieb ungünstig, der in hohen Breiten durch das
Gefrieren des Bodens und die Schwierigkeit der Lebensmittelbeschaf-
fung für die Arbeiter erschwert wird. Die Kohlenlager Spitzbergens
und die Goldfelder Alaskas oder Ostsibiriens müssen unter viel un-
günstigeren Bedingungen ausgebeutet werden als die Lagerstätten
der gemäßigten Klimazonen,
Endlich spricht bei der Frage, ob ein Minerallager „abbauwürdig“,
also wirtschaftlich ausnutzbar ist oder nicht; auch seine bessere oder
schlechtere Zugänglichkeit und seine Entfernung von den Haupt-
bedarfszentren, also die Ortslage, mit. Die Lage in unwegsamen
Hochgebirgen, in weiten extrem trockenen Wüstenräumen, in großer
Entfernung von Bahnlinien oder brauchbaren Verschiffungshäfen kann
ein an sich wertvolles Mineralvorkommen bis zur Nutzlosigkeit entwerten.
Geographische Abhängigkeit der Industrie. Auch die die Roh-
stoffe verarbeitende Industrie ist in ihrer Entwicklung an bestimmte
geographische Voraussetzungen gebunden, wenn auch nicht so stark
wie die Urerzeugung und meist nur mittelbar. Einzelheiten darüber
geben der unten folgende Abschnitt über den Menschen in Ausübung
der Wirtschaft und das Kapitel „Die Stätten der Industrie“ S. 149ff.
Geographische Abhängigkeit des Verkehrs. Der geographischen
Güterlehre steht als zweiter Hauptteil der Wirtschaftsgeographie die
Verkehrsgeographie zur Seite. Der Verkehr, der die Bewegung
der Güter vom Orte der Erzeugung nach dem des Verbrauchs voll-
zieht, ist in gleicher Weise wie die Produktion den oben erörterten
geographischen Bedingtheiten unterworfen. Boden und Klima, Ver-
teilung von Wasser und Land, Verbreitung und Art der Flüsse und
Seen sind maßgebend für die Lage, Dichte und Richtung der Verkehrs-
wege, für die Wahl der verschiedensten Verkehrsmittel und für die
Entstehung der Handels- und Verkehrszentren. Es erübrigt sich, dafür
einzelne Beispiele aufzuführen. Jede länderkundliche Betrachtung ergibt
deren die Fülle. Nur darauf sei noch einmal hingewiesen, daß auch für
den Verkehr die Rücksichtnahme auf die klimatischen Verhältnisse des
von ihm durchmessenen Erdraums in vorderster Linie steht und daß das
Klima der gemäßigten und gemäßigt-subtropischen Zonen ihm die
günstigsten Bedingungen bietet, während das polare Klima mit seinen
niedrigen Temperaturen, seinem dauernd oder während des größten
Teils des Jahres gefrorenen Boden, das extreme Wüstenklima mit
seiner Wasserarmut und seinen bewegten Sandmassen, das Tropenklima
mit seiner Überfülle der Feuchtigkeit und Vegetation, schwere, nicht
selten unüberwindliche Hindernisse bereitet. Hindernisse, die oft viel
ernsterer Natur sind als die der höchsten Gebirge, die die Technik
durch Tunnel oder Drahtseilbahnen überwindet, oder die der sturm-
bewegten Meere, denen der Mensch die zuverlässige Kraft seiner Maschine
entgegensetzt.