1. DER WASSERVERKEHR 185
Die deutsche Rheinflotte umfaßte Ende 1926 im ganzen 3533 Schiffe
mit 2,3 Mill. t Tragfähigkeit, davon 488 Schlepper mit nahezu 200000 PS und
89 andere eigenbewegte Schiffe mit 29000 PS. Damit ist hinsichtlich der Tragfähigkeit
und Schleppkraft der Stand von 1912 wieder erreicht. Die gesamte
Rheinflotte wird für 1926 mit 5,5 Mill. t Kahnraum und 400000 PS Schleppkraft
angegeben. Ihre prozentuale Verteilung auf die beteiligten Schiffahrtsstaaten
ergibt folgendes Bild:
Anteil der Uferstaaten an der Rheinflotte in Hundertteilen
des Gesamtbestandes.
Staaten Kahnraum | Schleppkraft
Frankreich. . , 7,0 9,0
Schweiz ,... 1,5 1,5
Sonstige Staaten 2,0 B—
Deutsches Reich.
Niederlande . . |
Belgien . .. 1
Nach dem Kriege ist die Beteiligung der fremden Schiffahrt auch
in den deutschen Rheinhäfen bedeutend gestiegen. Betrug doch im
Jahre 1924 der Anteil der fremden Flaggen an den Ein- und Ausladungen
in den wichtigeren deutschen Plätzen 45,4%.
Der Rhein bewältigt auch den Auslandsverkehr der deutschen
Ströme, der sich 1927 auf 39% (gegen 27,5% im Jahre 1913) des gesamten
Stromverkehrs belief, mit 94% Anteil fast allein. Welches Gepräge
hinsichtlich der aus- oder eingeführten Waren dieser Stromauslandsverkehr
hat, 1äßt die folgende Übersicht erkennen:
Durchgangsverkehr an der holländischen Grenze bei Emmerich 1925,
- Einfuhr "
a Ausfuhr
Brennstoffe .......17 Mil.t'
Eisen und Stahlwaren .. 238 »
Düngemittel. ...... 0,75 „
Drogen und Chemikalien . 0,40 x
Erze ........ . 9,2Milt
Getreide, .......21 „ »
Holz 2a: 02 DS n
Nur ein reichliches Fünftel des deutschen Binnenschiffahrtsverkehrs
entfiel auf die Elbe (einschließlich der märkischen Wasserstraßen), deren
schiffbare Länge von der Mündung bis zur Einmündung der Moldau
rund 800 km beträgt. Ihre Bedeutung beruht vor allem auf der Tatsache,
daß sie die Zugangsstraße zu Deutschlands erstem Seehafen ist, an den
sie durch die märkischen Wasserstraßen auch Berlin und durch die Verbindungen
mit der Oder auch große Teile Ostdeutschlands anschließt. Die
Elbe ist auch für die Tschechoslowakei der Zugangsweg nach Hamburg,
dessen Hafen dieser Staat nach Zusprechung einer eigenen Freihafenzone
(s. unten) für die Ausfuhr ihrer Güter neuerdings gegen das italienische,
nur auf dem Landweg erreichbare Triest zu bevorzugen scheint. —
Die natürliche Wasserstraße des Ostseehinterlandes ist die Oder, die
durch Regulierung und Kanäle bis ins oberschlesische Bergbau- und
Industriegebiet schiffbar ist und deren Mündungshafen Stettin durch
den für 1000 t-Schiffe zugänglichen Berlin-Stettiner Großschifffahrtsweg
zum Vorhafen Berlins an der Ostsee wurde. Berlin hat
auch über die Spree Kanalverbindung zur Oder. Allerdings hat die
Schiffahrt namentlich auf der mittleren Oder vielfach mit zu niedrigem
Wasserstand zu kämpfen. Ein Ausbau der gesamten Strecke auf 1,40 m
Tiefe ist deshalb vorgesehen.