fullscreen: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

kommen des Ilseder Erz-Horizontes nicht eingegangen worden, weil sie 
trotz ihres großen Umfanges doch heute nur mehr lokale Bedeutung 
haben zur Versorgung der im dortigen Bezirk blühenden Hochofen- 
industrie der Ilseder Hütte. Der Vollständigkeit halber sei deshalb nur 
erwähnt, das dieses Lager in zwei großen Mulden, der von Bülten- 
Adenstedt und jener von Lengede mit einem Vorrat von etwa 200 Mil- 
lionen Tonnen auftritt. Die Erze sind vorzügliche Thomaseisenerze mit 
folgenden Gehalten: 
Bültener Erz . 2... 2.0... 
Lengeder Wascherz. . . . 
Pa 
Mn | | CaO | Mg0 | 8:0, | ALO, 
30,4 % 3,5 % 1,0 618.0 %| 2,0 %/140 %| 3,0% 
[4 % 0,5%. 1.5 %140% 10% 77%| 30% 
Es handelt sich um Brauneisensteine, die zusammen gemöllert 
gerade die für die Thomaseisenherstellung passenden P- und Mn-Gehalte 
und ein außerordentlich günstiges Verhältnis von Kalk zu Rückstand 
aufweisen. Die Erze sind basisch und infolge ihrer lockeren Struktur 
sehr leicht reduzierbar. 
Es hat nicht an Bemühungen gefehlt, an anderen Stellen der dor- 
tigen Kreideformation die Fortsetzung dieser Lager aufzufinden, bisher 
jedoch ohne Erfolg. Die Bildungsbedingungen für diese Lagerstätte 
sind, wie aus der geologischen Erörterung über die Verhältnisse im 
Harzvorland im zweiten Abschnitt dieser Abhandlung hervorgeht, 
schwer zu rekonstruieren, und da überdies die ganze Tagesoberfläche 
durch jüngere Schichten bedeckt ist, hatten die Untersuchungsarbeiten 
im Auffinden der gleichen geologischen Position keinen Erfolg. Trotz- 
dem bestehen Anzeichen dafür, daß das Lager auch an anderen Stellen 
vorhanden sein muß. Es müßte durch umfangreiche und kostspielige 
Bohrarbeiten aufgesucht werden, ein Unternehmen, das mit sehr erheb- 
lichem Risiko verbunden ist. 
Leider sind die Mengen, die in Rheinland-Westfalen zur Verhüt- 
tung gelangen, sehr beschränkt, weil die Ilseder Hütte das verständ- 
liche Bestreben hat, sich ihre Erzsubstanz und damit die Basis ihrer 
Hütte möglichst lange zu erhalten. Der in seinen Grundgedanken den 
Sozialisierungsgedanken bergende Staatsvertrag vom Jahre 1919, der 
regierungsseitig damit begründet wurde, der deutschen Eisenindustrie 
für das verlorengegangene Minettegebiet einen Ersatz in den Ilseder 
Erzen zu schaffen, konnte deshalb nie praktisch in Wirksamkeit treten. 
Die Erze können auch infolge ihres geringen Eisengehaltes nur sehr 
wenig Fracht vertragen. Die. derzeitigen außerordentlich hohen Bahn- 
frachten lassen einen Bezug auf dem Bahnwege nicht zu, beträgt doch 
die Fracht nach den am günstigsten gelegenen Dortmunder Hütten für 
das Bültener Erz 6,20 RM. pro Tonne. für das Lengeder Erz 6.30 RM. 
pro Tonne. 
Die westfälischen Hüttenwerke sind deshalb gezwungen, den 
Transport dieser Erze zur Zeit über Hannover über den Mittellandkanal 
unter Aufwendung der verteuernd wirkenden Vorfrachten vorzunehmen. 
MN
	        
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