4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 91
relativ geringfügig entwickelten internationalen Kreditverkehr in
engen Grenzen hielt. Ein starkes Herabsinken der Volkszahl und
eine starke Verengerung des Nahrungsspielraumes waren jedenfalls
die wirschaftlichen Ergebnisse des Krieges für Deutschland gewesen.
Es ist nicht möglich an dieser Stelle — denn es soll ja hier keine
deutsche Wirtschafts- und Sozialgeschichte gegeben werden — genauere
Belege dafür beizubringen, wie diese Wandlungen damals
im einzelnen gewirkt haben.. Es ist nur die Aufgabe dieser Darlegungen,
in großen Zügen zu zeigen, welche Wandlungen im
Laufe der Geschichte in den Beziehungen von Bevölkerung und
Wirtschaft eingetreten sind.
Die Zeit nach dem 30 jährigen Krieg ist vornehmlich dadurch
gekennzeichnet, daß die erstarkenden Territorialstaaten sich
mit allen Mitteln um die Hebung der wirtschaftlichen Lage ihrer
Länder bemühen. Wir kommen jetzt auch in Deutschland in die
Zeit hinein, in der die Fragen der Bevölkerung Gegenstand wissenschaftlicher
Überlegungen werden, in der auch im Zusammenhang
mit der territorialen Wirtschaftspolitik in manchen Staaten Volkszählungen
stattfinden, so daß wir jetzt nach und nach ein besseres
Bild von dem Volkswachstum erhalten, als für ältere Zeiten. Diese
beiden Fragen von Bevölkerungslehre und Bevölkerungsstatistik in
jener Zeit werden in den folgenden beiden Abschnitten eine besondere
Behandlung erfahren.
Zunächst wollen wir in großen Zügen bis zum Ausgang des
18. Jahrhunderts ein Bild von der weiteren Entwicklung der Beziehungen
von Wirtschaft und Bevölkerung in Deutschland zu gewinnen
versuchen. Wenn auch für das ganze Reich keine Zahlen
vorliegen, so kann man doch im allgemeinen sagen, daß zu diesem
eben genannten Zeitpunkt das Wachstum der Bevölkerung in
Deutschland ohne Unterbrechung fortgeschritten ist. Nach den Berechnungen
von Behre hat die Bevölkerung in Brandenburg-Preußen
im Jahre 1688 1, 114, im Jahre 1713 ı, 672 und im Jahre
1740 2, 328 Mill. Köpfe betragen. Ein verblüffend starkes Wachstum,
wenn man diese Zahlen als zuverlässig erachtet. Nur noch einmal
hat die Zunahme der Bevölkerung eine starke Unterbrechung er-‘ahren,
als in den Jahren 1663—84 von neuem eine große Pestepidemie,
die letzte große in Europa, ausbrach. Eine weitere, aber
mehr örtlich begrenzte, hat noch einmal in den Jahren 1708—1710
stattgefunden 1}.
1} G. Sticker, Abhandlungen aus d. Seuchengeschichte u. Seuchenlehre, Bd. II,