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Erster geschichtlicher Teil
werden. Von zeitgenössischen Quellen sei hierfür auf das von Gothein
wieder herausgegebene „Neu: Nutzlich und Lustigs Colloquium“
und seine äußerst lehrreiche Einleitung über die deutschen Kreditverhältnisse
und der 30 jährige Krieg verwiesen !), Von Wichtigkeit
für die damalige Zeit ist auch die breite und z. T. recht unklare,
im Jahre 1664 erschienene Schrift von Gottlieb Warmund „Geldmangel
in Teutschlande und desselben gründliche Ursachen“ ?). In
der letzteren Schrift wird besonders auf die in Deutschland gemachte
Beute, die vielfach in fremde Länder ausgeführt worden sel, hingewiesen.
Mayer.hat hervorgehoben, daß Erfurt im ganzen Kriege
weder erobert noch zerstört worden sei, daß aber alle großen
Vermögen, die gerade den Kaufleuten gehört hatten, zugrunde gegangen
seien ®
Die öffenlichen Schulden hatten in gewaltigem Ausmaße
zugenommen, bei Städten und Landesherrn, Das gleiche gilt auch
von der privaten Verschuldung. Zu alldem kam ‚noch die starke
Geldverschlechterung in dieser ausgesprochensten Kipper- und Wipperzeit
hinzu. „Denn bei der wachsenden Geldunsicherheit kündigten
viele ängstliche Gläubiger ihre Kapitalien und die Schuldner
mußten bei dem rapid ansteigenden Tauschwert des guten Geldes,
um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können, bei weitem höhere
Summen als die einstmals empfangenen, sich borgen*). Viele
Länder haben nach Beendigung des Krieges die rückständigen
Zinsen niedergeschlagen, andere haben ihre Schuldkapitalien vermindert.
Darunter mußten auch die Privaten leiden, so daß der Kapitalmangel
jener Zeit eine der Hauptursachen war, weshalb sich das
deutsche Wirtschaftsleben solange nicht erholen konnte. Damit
ning es auch zusammen, wenn wir damals von einer Zunahme des
Passivhandels in Deutschland, aber auch von einer Vermehrung der
{remdländischen Hausierer und Kleinhändler hören. „Friauler,
Franzosen, Burgunder, Lothringer, schweiften als Butten- und Kraxenträger,
manche aber auf höherem Fuße mit 1—3 Rossen im Lande
umher . . . Manche ließen sich auch in Städten und Märkten nieder 9).
Man kann sagen, daß damals eine gewisse Überfremdung der deutschen
Volkswirtschaft eintrat, wenngleich sie sich bei dem damals noch
‘) Sammlung älterer u. neuerer staatsw. Schriften, Nr. 3, 1893.
? Bayreuth, 1664.
*) Deutsche Wirtschaftsgeschichte d. Nenzeit, 1928, S. 46.
‘) F, Kaphan, Der Zusammenbruch d. deutschen Kreditwirtschaft im 17. Jahrhundert
u. d. 30jährige Krieg, Deutsche Geschichtsblätter, Bd. 13, 1912.
5) S. Riezler, Geschichte Bayerns, Bd. 8, 1914, S. 538.