Full text : Bevölkerungslehre

4. Kap. Bevölkerung und Wirtschaft, vornehmlich in der deutschen Geschichte 93
großen Mißernten um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Preise für
Roggen in der folgenden Weise 1):

Jahre | Thaler | Ser. | Pfg.

‚730
73%
732
733
734
735
‚736
737
738
739
‚740

Jahre

1760
[761
‘762
763
764
765
766
767
768
769
770
MI

Thaler | Sgr. ! Pfg.

>
3

Man erkennt aus diesen Zahlen, daß auch die staatliche Teuerungspolitik
 jener Tage nur Unvollkommenes erreichen konnte.
Müller”) teilt mit, daß in Schlesien in dem Notjahre 1737 infolge
der schlechten Ernährung mehr als 50000 Menschen über die Normalzahl
 hinaus gestorben seien. Von den Hungersjahren 1770—1774
berichtet er: „Außer in Preußen hatte man kaum irgendwie an
Kornaufspeicherungen gedacht. Jetzt wußten sich die kleinen
deutschen Staaten nicht anders als durch gegenseitige Sperren zu
helfen; sie überboten sich in der Erfindung von Zwangsmaßregeln,
und steigerten die Teuerung dadurch zur Hungersnot. Sachsen verlor
über 100000 Einwohner, teils durch Auswanderung, teils durch
Hungertod, Böhmen zum mindesten: 180000 Seelen; 40000 Bauern
aus Sachsen und Böhmen flüchteten sich nach Preußen, wo sie gastfreundlich
 aufgenommen wurden“. Diese Magazinpolitik, wie sie im
Mittelalter von den Städten begonnen und dann von den Territorial-'
staaten, namentlich von Preußen, weiter ausgebaut worden war, ist
in besonders hohem Maße ausgesprochene Bevölkerungspolitik
gewesen, um solch temporären Übervölkerungserscheinungen bei
Vißernten vorzubeugen. Wir werden sehen, daß solche Notstände

F, Haas-Zumbühl, Die Kernenpreise u. Brotpreise in Luzern von 1601—1900,
“. £, schweiz. Stat., 39. Jahrg., 1903. — Ferner dazu W. Naude, Die Getreidehandelspolitik
 u. Kriegsmagazinverwaltung Brandenburgs-Preußens bis 1740, Acta
Borussica 1901. — W, Müller, Die Getreidepolitik, d. Getreideverkehr u. d. Gereidepreise
 in Schlesien während d. ı8. Jahrhunderts, 1897.
') Ein Thaler ist = 30 Silbergroschen zu ı2 Pfg.
) Müller, a. a. O0, S. 15.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.