Full text : Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil

gelegt worden ?). Vor ähnlichen Problemen stand auch das 18. Jahrhundert.
 Nur, daß es sich damals nicht um Kohle, sondern um die
Erschöpfung der Holzvorräte gehandelt hat. In einer Zeit
aufblühender Industrie und des Wachstums der Städte, vor allem
auch im Zusammenhang mit dem gewaltigen Holzverbrauch der Gruben
und Hüttenwerke, mußte der damals allenthalben auftretende Holzmangel
 zu einer Gefahr für den weiteren Gang des Wirtschaftslebens
werden ?). Sombart hat das Kapitel, dem diese Frage gewidmet
ist, überschrieben: „Das drohende Ende des Kapitalismus“ ®%), Wir
können uns heute kaum eine Vorstellung davon machen, welche
Bedeutung diese Frage damals gehabt hat und wie oft sie erörtert
worden ist*). Um die schlesische Textilindustrie beim Bleichen zur
Verwendung von Torf und Kohle, statt Holz, zu erziehen, wurde
im Jahre 1764 für die mit Torf und Kohle gebleichte Leinwand der
Ausfuhrzoll um die Hälfte ermäßigt und als das nichts nutzte, setzte
man im Jahre 1770 eine Prämie von 200 Talern für die Fabrikanten
aus, die eine Kohlenbleiche anlegten®). In der Markgrafschaft Baden
wurde sogar bestimmt, daß zur Abhilfe gegen den Holzmangel ein
jeder Bürger vor seiner Heirat einige Eichen pflanzen müsse ®),.
Wenn trotz des herrschenden Holzmangels die Kohle so wenig Eingang
 fand, so hing dies mit der Schwierigkeit des Transports zusammen,
 der die Kohle bis zum Bestimmungsort häufig so verteuerte,
 daß ihre Verwendung unlohnend war. Wir hören, daß der
Transport mitunter das Vierfache dessen ausmachte, was die Kohle
am Gewinnungsort kostete. Nicht nur bei Mißernten spielt zum
regionalen Ausgleich das Verkehrswesen eine wichtige Rolle,

‘') W. St. Jevons, The coal-question, 3. ed., London 1906.
’) Für einen Hochofen i. d. Neumark waren im Zeitalter Friedrich d. Gr.
20361 Zentner Holzkohlen erforderlich, um aus 48000 Zentnern Raseneisenstein
9000 Zentner Gußeisen oder 5625 Zentner Schmiedeeisen zu gewinnen. Man brauchte
also für einen Zentner Schmiedeeisen 8—09 Zentner Holzkohlen. Behre, a. a. O,,
S. 321.
3) Kapitalismus, a, a. O., Bd, 2, 2. Teil, S, 1137.
‘) Vgl. dazu weiter die eingehenden Darlegungen von E, M. „Abhandlung von
dem allerorten eingerissenen Holzmangel, dessen Ursachen und denen dagegen dienlichen
 Mitteln“. In: „Der schweizerischen Gesellschaft in Bern Abhandlungen von
landwirtschaftlichen Dingen‘, 1760/61, 1. u. 2. Teil. — Infolge Holzmangels hat man
in dieser Zeit in England sogar Eisenwerke eingehen lassen, (Kulischer, 2a. a. O.,
Bd. 2, S. 179.)
5) A. Zimmermann, Blüte u. Verfall d. Leinengewerbes in Schlesien, 1885,
S. 122 u. 152.
%) Ludwig, a. a. O., S. 93/94. — Vgl. dazu auch L. Jacobi, Ländl. Zustände
in Schlesien während d. vorigen Jahrhunderts, 1884, S, 78/81.
            
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