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7. Kap. Die Bevölkerungslehre in ihrer Entwicklung seit R. Malthus 199
gerade entgegengewirkt“!). Baut sich doch auch Ricardos so
düstere Verteilungslehre auf diesem Bevölkerungsgesetz auf.
Zunächst entwickelt sich auf dieser Grundlage seine Rententheorie;
denn wenn die Volkszahl zunimmt, so müssen, in der langen Linie
gesehen, nach dem Bodengesetz die Produktionskosten beim Landbau
steigen. Damit muß der Profit zurückgehen und mit fortschreitender
Entwicklung kann man die erforderliche größere Menge an Nahrungsmitteln
nur durch Hingabe von immer mehr Arbeit erlangen. Bei
einer Bevölkerung jedoch, „die gegen die Subsistenzmittel preßt, liegt
das einzige Heilmittel entweder in einer Volksverminderung oder in
einer schnelleren Kapitalansammlung“. „In dem Maße, wie solche
Länder an Bevölkerung zunehmen und Böden von geringerer Qualität
bebaut werden, nimmt die Tendenz der Kapitalvermehrung ab.
Denn der Ertragsüberschuß, welcher nach Befriedigung der Bedürfnisse
der vorhandenen Bevölkerung übrig bleibt, muß notwendigerweise
im Verhältnis zur Leichtigkeit der Produktion, 'd. h. zur kleineren
Anzahl der bei der Produktion beschäftigten Personen stehen. Obgleich
es also wahrscheinlich ist, daß die Produktivität unter den
günstigsten Verhältnissen immer noch größer ist als die Bevölkerungsvermehrung,
so wird das doch nicht lange so bleiben. Denn da
der Boden an Qualität beschränkt ist, so wird bei jeder weiteren,
auf ihn verwandten Kapitalquote eine geringere Produktenmasse
erzeugt werden, während die Intensität des Bevölkerungszuwachses
stets dieselbe bleibt“ 2).
Die späteren sogenannten Anhänger von Malthus, vor
allem auch in Deutschland, haben seine Lehre in der Regel in einem
anderen Sinne aufgefaßt. Der für Malthus wesentliche Gedanke
sines steten Pressens der Bevölkerung gegen den Nahrungsspielraum
verschwindet hinter der Auffassung, daß man es bei dem Problem
der Übervölkerung nur mit einer kommenden, einer späterhin drohenden
Gefahr zu tun habe: „prophetischer Malthusianismus“,
wie Oppenheimer diese Spielart genannt hat. Vielfach hat man
dabei gar nicht gesehen, daß es sich hierbei um ein ganz anderes
Problem handelt, als wie es Malthus vorschwebte.
Schon in J. G. Hoffmanns berühmter Abhandlung „Über die
Besorgnis, welche die Zunahme der Bevölkerung erregt“, begegnen
wir dieser unrichtigen Auffassung der Malthus’schen Lehre, wenn er
meint: „Bei den von Malthus angenommenen Verhältnissen zwischen
I) Grundsätze d. Volkswirtschaft u. Besteuerung, Deutsch 1905, S. 96,
3) Ricardo, a. a, O., S. 87/89.