Full text : Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil

eines Landes durch die Unmöglichkeit desselben, mehr Unterhaltsmittel
 hervorzubringen, ein Halt zugerufen wird, geschieht dies
durch die Unmöglichkeit, in der sich die Bevölkerung befindet,
diese Unterhaltsmittel zu kaufen oder zu arbeiten, um zu ihrer Entstehung
 beizutragen.“ „Aber die Unterhaltsmittel oder die Mittel,
sie zu kaufen, fehlen den ärmeren Klassen und dieser Umstand verhindert
 jene reißende Vermehrung, die Malthus als ein Gesetz des
menschlichen Geschlechts ansieht: dagegen mangelt aber die
Nahrung nicht den reichen Klassen.“ Man erkennt aus diesen
Worten bereits deutlich den sozialen Inhalt der Bevölkerungsanschauungen
 Sismondis. Auch er kennt Schranken für die Bevölkerung
 ; sie liegen aber nicht in der Kargheit der Natur, sondern
in der Größe des Einkommens. Darunter versteht er den Teil des
Reichtums, der sich jährlich über die Vorschüsse, die jeder gemacht
hat, hinaus erzeugt und verbraucht werden kann, ohne daß der, der
ihn verbraucht, dadurch ärmer wird. „So ist das Einkommen für
den Einen das Produkt des Bodens nach Abzug des Wertes dieses
Bodens selbst und aller Bestellungskosten, für die Anderen das
Produkt des Umlaufskapitals nach Abzug dieses Kapitals selbst und
einer Vergütung für die Hülfe, die das feststehende Kapital ihm geleistet
hat, für die Dritten diese Vergütung, die dem feststehenden Kapital
gegeben wird, für den Vierten endlich ihre Arbeitskraft, wenn
Nachfrage nach ihr ist“1),
Freilich setzt sich Sismondi auch nicht mit dem Bodengesetz
 auseinander und übersieht infolgedessen, daß bei seiner
Geltung die Vorschüsse größer werden, die Jeder machen muß, um
sein Einkommen zu erzielen, daß die Bestellungskosten des Bodens
dann steigen und daß trotz gleicher Nachfrage nach Arbeit dann
der Reallohn sinken, muß. Dabei sei es hier dahingestellt, ob dieses
Gesetz zu Recht besteht oder nicht. Wer jedoch das Einkommen
als Grenze der Bevölkerung ansieht, darf nicht an der Frage vorübergehen,
 welche Faktoren das Gesamteinkommen eines Landes bestimmen.
 Sismondi hat Recht, wenn er betont, daß die Bevölkerung
 letzten Endes ihr Maß an der Nachfrage nach Arbeit
finde; aber er ist nicht auf die Anschauung derer eingegangen, die,
wie z. B. Ricardo, der Meinung. waren, daß als Folge des Bodengesetzes
 die Nachfrage nach Arbeit zurückgehen müsse. Sismondi
hat die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Bevölkerung zu
sehr nur vom Standpunkt der letzteren aus betrachtet und dabei

) a, a OO, S. 197/98,
            
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