Full text : Bevölkerungslehre

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Erster geschichtlicher Teil

zründlicher mit diesen Fragen beschäftigten. Thompson") wendet
gegen Malthus zunächt ein: „Die Menge von gutem Land und
Rohstoffen und die Möglichkeit, Rohstoffe zu beschaffen, ist so groß,
übersteigt so sehr das, was unter den neuen Einrichtungen für die
gegenwärtige Bevölkerung nötig ist, daß es ganz müßig ist, von
natürlichen Hindernissen zu sprechen. Sollten in 100 oder 1000 Jahren
solche Hindernisse sich herausstellen, so wird das Wissen und die
Einsicht der dann vorhandenen Gemeinwesen gewiß imstande sein,
dieses Übel zu bekämpfen“ ?) ...Gewiß liegt in diesen Worten kein
durchschlagendes Argument gegen die Möglichkeit einer Übervölkerung.
 Denn was Thompson in Aussicht stellt, kann, muß
aber nicht eintreten. Dagegen hat auch Thompson betont, die
zunehmende Vernunft sei stark genug, einem zu großen Wachstum
der Bevölkerung vorzubeugen. Wenn es möglich ist, der großen
Masse zur Klugheit zu verhelfen, dann ist, so meint er offenbar der Fehler,
der aus einem Mangel an Klugheit entstehen soll, nicht unheilbar.
Weit entschiedener und auch in anderer Weise haben sich
K. Marx und Fr. Engels gegen Malthus gewendet, Schon
in einer seiner ersten Arbeiten im Jahre 1844 hat das Fr. Engels
getan?) Auch Engels ist, wie jeder, der das Heilmittel gegen
lie soziale Notlage allein in einer anderen und neuen gesellschaftlichen
 Ordnung sieht, von einem schrankenlosen Optimismus erfüllt
 und blind gegen irgendwelche von der Natur herkommenden
Hindernisse für den menschlichen Fortschritt. „Die der Menschheit
zu Gebote stehende Produktionskraft“, sagt er, „ist unermeßlich.
Die Ertragsfähigkeit des Bodens ist durch die Anwendung von
Kapital, Arbeit und Wissenschaft ins Unendliche zu steigern.“ Er
bezeichnet die Malthus’sche Lehre als eine „infame, niederträchtige
Doktrin“, als eine „scheußliche Blasphemie“ gegen die Natur. Aber
er stützt sich gegen Malthus im wesentlichen nur auf die Meinung
Alisons, der Malthus gegenüber darauf hingewiesen hatte, „daß
jeder erwachsene Mensch mehr produzieren kann, als er selbst gebraucht,
 eine Tatsache, ohne die die Menschheit sich nicht vermehren,
 ja nicht einmal bestehen könnte“. Auch Engels hat
darauf hingewiesen, daß die Bildung der Massen die Beschränkung
des Fortpflanzungtriebes herbeiführen könne. Das größte Vertrauen

1) W. Thompson, Untersuchung über d. Grundsätze d. Verteilung des Reich-‚ums.
 Deutsch 1904.
Ya. a, O., Bd. 2, S. 306.
3) Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie (1844). Wieder abgedr, in
d. ges. Schr. von K. Marx u. Fr. Engels, Bd. I, 1902.
            
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