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Erster geschichtlicher Teil
schwer zu behaupten, als die unendliche Verbesserungsfähigkeit der
landwirtschaftlichen Maschinen“). Man hat mit Recht in diesen
Worten ein gewisses Rückzugsgefecht gesehen,
Mit Unrecht hat Marx Lassalle zu den Anhängern von
Malthus gerechnet®). Vielmehr hat Mehring recht, der ihn zu
dessen Gegnern zählt?). Lassalle hat nämlich die Ansicht bekämpft,
als ob die Menschen die Tendenz hätten, sich rascher zu
vermehren, als die Nahrungsmittel. Sein sogenanntes ehernes
Lohngesetz baut keineswegs auf Malthus, sondern auf Ricardo
auf und dieses Lohngesetz rührt nicht daher, daß die Menschen
stärker an Zahl zunehmen, als die Menge der verfügbaren Nahrungsmittel,
sondern es beruht für Lassalle auf der Eigenart der vorhandenen
Wirtschaftsordnung. Allerdings muß man dann auch
sagen, daß Lassalle zu der Malthus’schen Lehre gar keine positive
Stellung eingenommen hat. Er verweist darauf, daß seit A. Smith
immer wieder der Satz ausgesprochen werde: „Je mehr Menschen,
desto mehr Arbeitshände, desto mehr Reichtum“ und fährt fort:
„Ist das heute doch nicht der Fall, so ist das eben ein tiefer Widerspruch,
der in unserem ganzen wirtschaftlichen Antagonismus seinen
Grund hat. An diesem muß geändert werden. Dann wird die vermehrte
Bevölkerung vermehrte Reichtumsquelle“ *).
Der angesehenste Vertreter des Marxismus in Deutschland,
K. Kautsky, hat in dieser Frage seine Meinungen gewechselt. In
einer Jugendschrift ®) hat er sich die Aufgabe gestellt, zu zeigen,
„daß ohne Berücksichtigung des Bevölkerungsgesetzes eine befriedigende
Lösung der sozialen Frage unmöglich ist“. Kautsky erkennt
in dieser Weise ein Bevölkerungsproblem im Sinne von Malthus
an. „Durch den Übergang zu einer höheren Produktionsweise kann
man es dahin bringen, daß die Lebensmittel für eine gewisse Epoche
nicht nur ebenso schnell, sondern noch schneller wachsen, als die
Bevölkerung. Die Umwandlung des Privateigentums an Grund und
Boden und dessen Bearbeitung durch freie, vernünftig organisierte
Arbeiter ermöglichen einen solchen Übergang zu einem vollkommneren
Betrieb. Durch diesen Übergang kann diese Frage einer Über-N
Bd. 2 a. a. O., S. 279/80.
2) Zur Kritik des sozialdemokratischen Programms, Neue Zeit, 9. Jahrg., Bd. ı.
S. 570.
*) Geschichte des Sozialismus, 3. Bd., 2. Aufl., 1903, S. 44.
') Reden u, Schriften, Ausg. v. W. Bernstein, 1893, 2. Bd., S. 938.
5) K. Kautsky, Der Einfluß d. Volksvermehrung auf d. Fortschritt d. Gesellschaft,
1880.