Full text : Bevölkerungslehre

2. Kap. Volkszahl und ‚Volkswachstum 289

von Bortkiewicz nach den neuesten Erfahrungen kaum unter
18 Sterbefälle auf 1000 Einwohner, sinken kann *).
Diese ganzen Ausführungen sollten nur darauf hinweisen, daß, wenn
die Geburtenhäufigkeit in einem. Lande zurückgeht, damit Änderungen
im Altersaufbau der Bevölkerung auftreten müssen, die dahin wirksam
sein werden, einen weiteren Rückgang der Sterblichkeit aufzuhalten,
bis schließlich wieder eine Steigerung der Sterblichkeit eintreten
muß. Bei einigen Ländern, bei denen schon früh ein solcher Rückgang
 der Geburtenhäufigkeit eingetreten ist, kann man heute bereits
derartige Wandlungen im Altersaufbau beobachten. Wenn man
dann diesen Überlegungen gegenüberhält, daß die gewaltige Volkszunahme
 der Neuzeit in erster Linie auf dem starken Rückgang der
Sterblichkeit beruhte, so ergeben sich damit deutlich Kräfte, die
dahin wirksam sind, in Zukunft auf eine Verlangsamung des
Volkswachstums hinzuwirken, Allerdings bezieht sich das eben
Gesagte grundsätzlich zunächst nur auf die relative Höhe des
Geburtenüberschusses. Dieser wird unter den angenommenen Voraussetzungen
 zurückgehen müssen, während das gleiche bei dem
absoluten Geburtenüberschuß aus den bereits dargelegten Gründen
nicht in demselben Umfang der Fall zu sein braucht. In welchem
Ausmaß von einer solchen Entwicklung auch der absolute Geburtenüberschuß
 getroffen wird, das hängt dann in erster Linie davon ab,
in welchem Maß die Rate.des Geburtenüberschusses zurückgeht.
Man hat neuerdings den Versuch gemacht, gerade mit Rücksicht
auf die eben dargelegten Zusammenhänge sich wenigstens für die
nächsten Jahrzehnte ein annäherndes Bild des zu erwartenden Volkswachstums
 zu machen. Die amtliche Statistik des Deutschen Reiches
hat einen derartigen Versuch unter den drei folgenden Voraussetzungen
 unternommen“ ®): x. Die jährliche Zahl der Lebendgeborenen
 bleibt während der Periode 1925—1075 konstant und
gleich der Zahl der im Jahre 1923 Geborenen. 2. Die eheliche
Fruchtbarkeit bleibt in diesem Zeitraum relativ die gleiche. 3. Die
eheliche Fruchtbarkeit nimmt in diesen 50 Jahren um 25% ab.
Dabei wird die Bevölkerung nach einer für die Jahre 1921/23 festgestellten
 Absterbeordnung fortgeschrieben. In dem 'ersten Falle
wächst bis zum Jahre 1975 die Volkszahl von 62,3 auf. 70,4, im
zweiten Falle auf 76,9 und im dritten Falle auf 63,7 Millionen, Dabei
müssen sich aus den dargelegten Gründen beträchtliche Wandlungen

Ya a. 0. S. 97. — Vgl. dazu auch die Darlegungen bei E. M. East, Die
Menschheit am Scheidewege. Deutsch Basel 1926, S. 244 ff.
2%) Bd. 316, Die Bewegung d. Bevölkerung . .. 1926, S. 37
Diehl-Mombert, Grundrisse, Bd. 15.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.