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Erster geschichtlicher Teil
Bevölkerung in der Urzeit Griechenlands weit zahlreicher gewesen
sei, als zu seiner Zeit. Zahlreiche Schriftsteller haben dann in der
Neuzeit ähnliche Meinungen geäußert. Justi hat in seiner Staatswirtschaft
gesagt, daß vor der Sündflut die Zahl der Menschen
zwanzigmal größer gewesen sei als jetzt und Montesquieu hatte
in den „Lettres Persanes“ gemeint, daß in seiner Zeit die Welt kaum
ein Fünfzigstel der Bewohnerzahl habe, wie zu den Zeiten Cäsars.
Erst David Hume hat diese Auffassung als irrig bekämpft und
die Gründe für seine Auffassung dargelegt, weshalb das Altertum
unmöglich die gleiche Volkszahl gehabt haben könne, wie die zivilisierten
Staaten seiner Zeit ?).
Für die Berechnung der Volkszahlen des Altertums stehen die
vielfach recht unsicheren Heereszahlen und Angaben in Bürgerlisten
zu Gebote, während für die Zahl der Sklaven, Hörigen und ortsansässigen
Fremden nur wenig Brauchbares zur Verfügung steht 2).
Man hat die Bevölkerung Attikas zu Beginn des peloponnesischen
Krieges mit 250—300000 Köpfen angenommen, was einer Volksdichte
von etwa 60—80 Menschen auf den Quadratkilometer entspricht.
Für die benachbarten Stadtstaaten kommt Beloch zu einer
ähnlichen Dichte. Freilich beruht diese recht erhebliche Dichte der
Bevölkerung in erster Linie darauf, daß in diesen Gebieten bereits
Gewerbe und Handel eine relativ erhebliche Rolle spielten, während
die Dichte in den hauptsächlich ackerbautreibenden Gebieten natürlich
beträchtlich geringer war. Für den Peloponnes hat Beloch eine
Volkszahl von 1,05—1,15 Millionen, also eine Dichte von 47—52
Einwohner auf den Quadratkilometer berechnet. Die Bevölkerung
des römischen Gebiets in Italien nimmt der gleiche Historiker, ein-1)
Nationalökonomische Abhandlungen, Deutsch 1877, Über die Bevölkerung der
antiken Staaten.
2} Vgl. zu dieser Frage die Berechnung der Volkszahl von Juda und Israel bei
M. Lurje, Studien zur Geschichte der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im
israelitisch-jüdischen Reiche, 1927, — Ferner U. Kahrstedt, Die Bevölkerung des
Altertums, Im Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4. Audl., 1924. — J. Beloch,
Die Bevölkerung der griechisch-römischen Welt, 1886. — H. Delbrück, Geschichte
der Kriegskunst, 3. Aufl., 1920, 1. Bd.: Das Altertum, 1. Buch, Kap. 1. — J. K. Hansen,
Über die Bevölkerungsdichtigkeit Attikas und ihre politische Bedeutung im Altertum,
1885. — G. Busolt, Griechische Staatskunde, 3. Aufl., 1920, ı. Hauptteil. —
E. Cavaignac, Population et capital dans le monde m&dite&rangen antique, Straßburg
1923. — J. Beloch, Griechische Geschichte, 2, Aufl., 1914, 2. Bd., ı. Abteilung,
3. Abschnitt. — Derselbe, Die Bevölkerung des Altertums, Z. für Sozialwissenschaft,
Bd. 2, 1899. — Derselbe, Die Methoden der bevölkerungsgeschichtlichen
Forschung, Jahrbücher für Nat. u. Stat., 3. Folge, Bd, 13. — E, Meyer, Forschungen
zur alten Geschichte, 2. Bd., 1899, 3. Abschnitt.