Full text : Bevölkerungslehre

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Zweiter systematisch-theoretischer Teil

Fünftes Kapitel

Die Maximalbevölkerung der Erde.
Wir haben oben gesehen, daß die Gefahren für die heutigen
Industriestaaten, d. h. im wesentlichen für Europa, in erster Linie
aus der Verknappung der Vorräte an Nahrungs- und Rohstoffen in
den bisherigen Lieferungsländern ihren Ausgang nehmen können.
Der Gang ist, wie die geschichtliche Erfahrung zeigt, der, daß einzelne
Länder als Folge zunehmender Volkszahl immer mehr den Charakter
als Nahrungs- und Rohstofflieferanten verlieren und daß dann andere,
neuerschlossene Gebiete an ihre Stelle treten. Diese Entwicklung
hat Deutschland in dem letzten Jahrhundert durchgemacht und die
gleiche Entwicklung wird sich in den nächsten Jahrzehnten in den
Vereinigten Staaten anbahnen, wenn hier die Bevölkerung — was
aber keineswegs feststeht — in dem bisherigen Ausmaß zunehmen wird.
Mit fortschreitender Volkszahl beginnen die Völker überall den
innenbedingten Teil des Nahrungsspielraumes ihrer Wohngebiete auszufüllen
 und die hier vorhandenen Naturgaben selbst unmittelbar
auszunutzen. Andere bis dahin unerschlossene und ungenutzte Gebiete
 treten dann an ihre Stelle. Solange solche Gebiete noch vorhanden
 sind, die für die Ernährung der Menschen nutzbar gemacht
werden können, tritt dadurch, wie die Erfahrung zeigt, nur eine Verschiebung
 in den Herkunftsgebieten von Roh- und Nahrungsstoffen
ein, ohne daß damit ungünstige Einwirkungen auf den Nahrungsspielraum
 für die Industriestaaten sich ergeben müssen. Nur wenn
die Möglichkeit zur Gewinnung solch neuer Versorgungsgebiete fehlt,
dann werden für diese Länder die oben dargelegten Schwierigkeiten
in der Ausweitung des außenbedingten Teiles des Nahrungsspielraumes
 auftreten,
Während man, wie wir oben sahen, bei dem Problem der
Übervölkerung an die ganze Erde oder auch an die Verhältnisse
eines einzelnen Landes denken kann, kommt man auf diese Weise
zu einer gewissen Synthese dieser beiden zunächst ganz verschiedenartigen
 Ausgangspunkte. Solange es nämlich auf der Erde Gebiete
gibt, die entweder besiedelungsfähig oder imstande sind, im Austausch
 gegen Fertigwaren Roh- und Nahrungsstoffe an Länder zu
liefern, die daran Mangel haben, wird man wenigstens grundsätzlich
 sagen dürfen, daß auch bei diesen Ländern der Nahrungsspielraum
 als Ganzes gesehen, selbst bei weiterer Volkszunahme noch
erweiterungsfähig ist. So mündet unter diesem Gesichtspunkt das
            
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