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quantitative Bevölkerungsproblem auch für einzelne, für sich selb-
ständige Länder, wenn man von politischen Störungen absieht, in
die neuerdings vielfach eröterte Frage nach der Maximalbevölke-
rung der Erde aus.
Als erster hat wohl E. G. Ravenstein‘) im Jahre 1890 eine
Schätzung der Maximalbevölkerung der Erde versucht. Nach ihm
hat dann v. Fircks?) eine neue Berechnung vorgenommen und
eine Reihe von Jahren später hat, von anderen Methoden ausgehend,
Ballod®) sich die gleiche Aufgabe gestellt. Den Genannten sind
neuerdings drei weitere, z, T. sehr gründliche, deutsche Untersuchungen
gefolgt: von H. Losch*), von A. Penck®) und von A. Fischer®).
Die Ergebnisse der verschiedenen Berechnungen, auf deren metho-
dische Einzelheiten an dieser Stelle natürlich nicht eingegangen
werden soll, sind im folgenden zusammengestellt. Es wird eine
Maximalbevölkerung der Erde in Millionen für möglich gehalten von
5. Kap. Die Maximalbevölkerung der Erde
Ravenstein
Fircks
Ballod
Losch
Penck
Fischer
5994
7800
5600
7000
7689
6200
Die Ergebnisse liegen also zwischen etwa 6—8 Milliarden
Menschen. An sich kann derartigen Berechnungen zunächst nur ein
ziemlich geringer Wert zukommen, so dankenswert sie auch als
Anhaltspunkte für die in Zukunft mögliche Entwicklung sein mögen.
Losch hat mit Recht bemerkt, „wieviel von der festen Erdoberfläche
heute anbaufähig ist, weiß kein Mensch; man weiß nicht einmal
zuverlässig, wieviel davon tatsächlich angebaut ist“. Auch die An-
sichten über die Bevölkerungskapazität einzelner Gebiete können sehr
weit auseinander gehen ”). Man wird jedoch trotz dieser Bedenken
1) Ravenstein, Land of the globe still available for European Settlement
Proceedings of the Royal Geogr. Society, Bd. ı2, 1891.
2) Fircks, Bevölkerungslehre, 1898, S. 295 ff.
3 Ballod, Wieviel Menschen kann die Erde ernähren? Schmollers Jahrb.,
Jahrg. 36, 1912.
%) Die Grenzen d. Erdbevölkerung, Württemb, Jahrb,, a. a. O,, 1021/22.
5) Das Hauptproblem d. physischen Anthropogeographie, Sitz.-Ber, d. preuß. Ak.
d. Wissensch., Phil. hist. Klasse, 1924.
8) Zur Frage d. Tragfähigkeit, a. a. O. — East, a. a. O., rechnet mit einer
Maximalbevölkerung der Erde von 5200 Millionen.
7) Vgl. die Bedenken, die Skalweit (Die europäische Einwanderung nach Süd-
amerika, 1928, S. ı2) gegen die Annahme von Penck geäußert hat.
Diehl-Mombert, Grundrisse, Bd. 15.
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