3. Kap. Das Altertum
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noch kaum ein, oder doch höchstens in einzelnen Landschaften.
Die Verluste, welche die Auswanderung, Kriege, Epidemien, herbeiführten,
wurden noch ersetzt, aber die Vermehrung der Bevölkerung
kam doch jetzt zum Stillstand“ '. Es waren also „strukturelle“ Veränderungen
im Welthandel, die in dieser Zeit den Nahrungsspielraum
Griechenlands ungünstig beeinflußten.
Aber noch ein weiteres kam hinzu. Schon J. von Liebig
hatte die Meinung vertreten, daß die Verödung und der Untergang
alter Kulturländer sich vor allem deshalb vollzogen habe, weil der
Boden, durch Raubbau ausgesogen, nicht mehr genügende Ernten
lieferte, um eine gleich zahlreiche Bevölkerung zu ernähren ?). Liebig
hat in seiner Zeit mit dieser Lehre einer dauernden Bodenverarmung
entschiedene Gegner gefunden ®). Neuerdings scheint jedoch seine
Auffassung wieder etwas an Boden zu gewinnen *). In einer der
neuesten Arbeiten zur alten Geschichte heißt es über den Zusammenbruch
der antiken Wirtschaft mit besonderer Beziehung auf römische
Zustände: „An die Stelle intensiver Wirtschaft ist immer stärker
allenthalben ein extensiver Betrieb getreten. Die Erschöpfung des
Bodens hat sich fühlbar gemacht, und es hat an den nötigen Mitteln
gefehlt, das große, landwirtschaftlich noch unentwickelte Gebiet,
über das ein Riesenreich, wie das römische verfügte, zu erschließen“ °).
Treffen diese Worte für die Verhältnisse des römischen Reiches zu,
So wird man den Gedanken an eine Erschöpfung des Bodens in
Griechenland und seinen Versorgungsgebieten keineswegs ohne
weiteres ablehnen dürfen. Freilich handelt es sich hierbei um ein
Problem, das an dieser Stelle nur aufgeworfen werden kann.
Nicht so stark und ausgeprägt wie in Griechenland, aber doch
deutlich erkennbar, treten auch im Verlauf der politischen und wirtschaftlichen
Entwicklung des römischen Reiches die Beziehungen
zwischen Wirtschaft und Bevölkerung hervor. Auch hier erkennen
wir vor allem in der Frühzeit der römischen Geschichte die immer
wiederkehrenden Versuche, den Nahrungsspielraum der wachsenden
') Beloch, Geschichte, 3. Bd., 1. Abteilung, S. 288.
*) J- v. Liebig, Die Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie,
9. Aufl,, 1876,
%) Vgl. dazu J. Conrad, Liebigs Ansicht von der Bodenerschöpfung, 1864. —
j. Au, v. Liebigs Lehre von der Bodenerschöpfung und die nationalökonomischen
Bevölkerungstheorien, 1869,
4) G. Sigwart, Die Fruchtbarkeit des Bodens als historischer Faktor.
Schmollers Jahrbuch, Jahrg. 39, 1915,
5) W. Otto: Kulturgeschichte des Altertums, 1025, S. 153.