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Erster geschichtlicher Teil
durch Übervölkerung“, so faßt Dahn in der genannten Schrift die
Ursachen der Wanderbewegung zusammen. „Aber auch acht Legionen
waren nicht imstande, auf die Dauer die treibende Kraft abzuwehren,
welche immer und immer wieder die Germanen zu Ausbreitungsbewegungen
drängte, die Not, die Landnot, die Kornnot, der Hunger.“
Paulus Diaconus in seiner Langobardengeschichte und Jordanes
in seiner Geschichte der Goten haben ebenfalls diesen Zusammenhang
hervorgehoben. Wo die Germanen mit den Römern zusammenkommen,
haben sie gar keinen anderen Wunsch, als Land zu erhalten,
um sich ansiedeln zu können. Es sind das Zusammenhänge zwischen
Wirtschaft und Bevölkerung, die als wichtigste Triebkraft dieser
großen Wanderbewegungen einwandfrei feststehen.
Soweit die Ausbildung des Sondereigentums am Boden in dieser
Zeit in Beziehung zu der durch die Verengerung des Nahrungsspielraums
erzwungenen Seßhaftigkeit steht, haben wir es auch hier mit
einer sehr wichtigen gesellschaftlichen Auswirkung des Volkswachstums
zu tun. Auch für die Anhänger des Islam wird von Sachkennern
der gleiche Zusammenhang hervorgehoben, daß ihre große
Wanderbewegung und ihre Eroberungszüge letzten Endes darauf
beruhten, daß der Nahrungsspielraum in den alten Sitzen zu eng
geworden war *).
Dafür, wie groß die Zahl der Germanen gewesen ist, wie zahlreich
ihre Stämme waren, gibt es nur rohe Schätzungen, die mit
großer Vorsicht aufgenommen sein wollen. Denn aus zeitgenössischen
Quellen sind uns nur wenig brauchbare Angaben erhalten.?). Bekannt
ist vor allem die Zählung, die Geiserich im Jahre 429 bei
den Vandalen vornehmen ließ und die 80000 Köpfe ergab ®).
G. Schmoller hat die Zahl der Germanen zur Zeit Caesars für
den Umfang des deutschen Reiches auf 2—3 Millionen angenommen *).
H. Delbrück®) ist auf Grund sehr interessanter Konjekturen zu
dem Ergebnis gekommen, daß ein germanischer Stamm etwa 25000
Köpfe gezählt habe. Das entspräche einer Volksdichte von 4 bis
« Köpfen auf den Quadratkilometer. Freilich darf man solche älteren
' C. H. Becker, Islamstudien, 1924 S, 5/9 u. S. 68,
?) Zusammengestellt bei L. Schmidt, Allgemeine Geschichte, a. a. O., S. 47/48.
Vgl. auch R. A. Müller, Die Zahl der Teilnehmer am Helvetierfeldzug, Klio,
Bd. 9, 1909,
3) L. Schmidt, Zur Frage der Volkszahl der Vandalen, Byzantinische Z,
Bd. 15, 1906.
4) Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre, Bd. ı, 1900, S. 171.
5) Geschichte der Kriegskunst, Bd. 2.