Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(831) 1863 April21 
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Geschütz einer dementierenden Erklärung antworten zu lassen. 
Laß den Kerl seinen eignen Dreck ausfressen, wenn er was kann, 
so braucht er keine Testimonia von Dir, und wozu sollst Du Dich 
kompromittieren, nachdem Du ihm einmal gesagt, daß er doch 
5 nicht mit uns gehen kann, oder wir nicht mit ihm. Welche Dumm- 
heit schon, sich in die Schulze-Delitzschschen Knotengeschichten zu 
mischen und zu versuchen, grade da auf Grundlage unsrer 
früheren Arbeiten sich eine Partei zu bilden. Grade daß der 
S[chulze]-D[elitzsch] und andres Pack die Knoten während 
wo dieser bürgerlichen Zeit zur Höhe der bürgerlichen Anschauung 
zu erheben sucht, kann uns nur erwünscht sein, sonst hätten wir 
diese Geschichte während der Revolution auszufressen gehabt, 
und in Deutschland, wo die Kleinstaaterei Alles so kompliziert 
macht, hätte diese Konrinthenscheißerei uns als etwas Neues, 
w# Praktisches entgegen gehalten werden können. Das ist jetzt er- 
ledigt, wir haben unsre Gegner jetzt in der richtigen Stellung, und 
der Knote ist zum Selbstbewußtsein gekommen und damit in die 
kleinbürgerliche Demokratie versetzt. Aber diese Kerls als Re- 
präsentanten des Proletariats ansehn, das blieb Itzig überlassen. 
2 Der Witz mit Studiosus Blind hat Lupus und mich sehr amü- 
siert. Lupus hat wieder einen schweren. Gichtanfall gehabt, er- 
schwert durch seine eigensinnige Methode, stets halbkuriert aus- 
zugehn und Stunden zu geben, und erst zum Doktor zu schicken, 
wenn Alles zu spät ist und alle Medizin aufgefressen. Da hilft 
2 aber kein Predigen, „ich gehe“. 
Ich habe in der letzten Zeit russische Geschichte rückwärts ge- 
lesen, d. h. zuerst die Teilung Polens und Katharina, jetzt Peter I. 
Ich muß sagen, für die Polacken von 1772 sich zu begeistern, da- 
zu gehört ein Büffel. Im größten Teil von Europa fiel doch damals 
zo der Adel mit Anstand, teilweise mit esprit, so sehr auch seine all- 
gemeine Maxime war, daß der Materialismus in dem bestehe, was 
man esse, trinke, ficke, im Spiel gewinne oder für Schuftereien 
bezahlt erhalte; aber so dumm in der Methode, sich an die Russen 
zu verkaufen wie die Polacken, war doch sonst kein Adel. Sonst 
» ist die allgemeine Käuflichkeit der gentils-hommes in ganz Europa 
sehr heiter anzusehn. Weiter hat mich die Geschichte des Mon- 
sieur Patkul sehr interessiert. Dieser Bursche ist wirklich der Er- 
finder der ganzen russischen Diplomatie und hat bereits in nuce 
ihre sämtlichen Kniffe, Wenn Du seine 1795 in Berlin erschie- 
ın nenen Berichte an die russische Regierung nicht hast bekommen 
können, so wollen wir versuchen, durch Annonce im Buchhändler- 
Börsenblatt uns ein Exemplar zu verschaffen. Wie wenig haben 
übrigens die Nachfolger dazu getan! Immer dieselben Wendun- 
gen, immer dieselbe Manier jedem Land gegenüber. Übrigens ge- 
ıs hört die Objektivität der Livländer, die absolut kein nationales. 
Z. 92 (Laß ... ausfressen)
	        
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