Full text : Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

(1022) 1867 Mai 7

389

ließest und, into the bargain, noch alle meine petites miseres mitdurchleben
 mußtest. Ich kann mir andrerseits nicht verheimlichen,
daß ich noch ein Jahr of trial vor mir habe. Ich habe einen Schritt
getan, von dem viel abhängt, wovon es nämlich abhängt, ob mir
von der einzigen Seite, wovon es möglich ist, einige 100 £ zur Disposition
 gestellt werden. Es ist erträgliche Aussicht auf positives
Resultat vorhanden, doch bleibe ich für about 6 Wochen in der
Schwebe. Früher erhalte ich nicht definitiven Bescheid. Wovor ich
mich — abgesehn von der Unsicherheit — am meisten fürchte, ist
o die Rückkehr nach London, die in 6—8 Tagen doch notwendig
wird. Die Schulden dort sind bedeutend, und die Manichäer warten
 „dringend“ auf meine Rückkehr. Dann wieder der Familienjammer,
 die inneren Kollisionen, die Hetzjagd, statt frisch und
ungeniert an die Arbeit zu gehn.
s Dr. K[ugelmann] und seine Frau behandeln mich aufs allerliebenswürdigste
 und tun alles, was sie mir nur an den Augen absehn
 können. Es sind vortreffliche Menschen. Sie lassen mir in
der Tat keine Zeit, „den düstren Wegen des eignen Ich“ nachzuspähen.
 Apropos! Die Bismarcksche Affäre mußt Du ganz geheim
% halten. Ich versprach, Niemandem, auch K[ugelmann] nicht, davon
 zu sprechen. Letztres hielt ich. Ich hatte jedoch natürlich die
reservatio mentalis gemacht, Dich auszunehmen.
Du wunderst Dich, daß, bei dem Preußenhaß hier, die National-Liberalen
 (oder, wie Kugelmann sie nennt, die Euro-»
 päer) bei den Wahlen so gut davongekommen sind. Die Sache
ist sehr einfach. In allen größeren Städten fielen sie durch, an
kleineren Orten siegten sie durch ihre Organisation, die seit der
Gothaer Zeit existiert. Diese Kerls zeigen überhaupt, wie wichtig
Parteiorganisation ist. Das bisher Gesagte gilt für Hannover. In
wo Kurhessen hat preußische Einschüchterung, unterstützt vom Geschrei
 der Nationalvereinler, unbeschränkten Einfluß ausgeübt.
Die Preußen wirtschaften hier unterdessen ganz persisch. Sie
können zwar die Bevölkerung nicht transplantieren nach ihren
Ostprovinzen, aber sie tun es mit den Beamten, bis auf Railway
# Kondukteure hinab, und für die Offiziere. Sogar die armen Teufel
von Briefträgern müssen nach Pommern. Unterdes kannst Du
jeden Tag Züge von Hessen, Hannoveranern usw. auf der Eisenbahn
 nach Bremen beobachten, zur Auswanderung nach den United
 States. Solange das biedre Deutschland steht, hat es aus allen
w Teilen kein solches Menschengewirr über den Atlantic geschickt.
Der eine will den Steuern entrinnen, der andre der Militärpflicht,
der dritte den politischen Zuständen, alle dem Säbelregiment und
dem gedrohten Kriegssturm.
{ch habe großes Gaudium hier mit den (preußisch gesinnten)
ws Bourgeois. Sie wollen Krieg, aber immediatement. Das Ge-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.