Full text: Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1861-1867 / herausgegeben von D. Rjazanov (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 3)

390 
(1022) 1867 Mai 7 
schäft, sagen sie, kann die Unsicherheit nicht länger ertragen, und 
wo Teufel sollen die Steuern herkommen bei verlängerter Ge- 
schäftsstockung? Übrigens machst Du Dir schwerlich eine Vor- 
stellung von dem Druck, den der letzte Krieg und die Steuern auf 
das Landvolk in Preußen ausgeübt haben. Es herrscht hier in der 
preußisch-westfälischen Nachbarschaft z. B. wahrhaft irischer Zu- 
stand. 
By the by, hat mich vor ein paar Tagen der Direktor der hie- 
sigen Aktiengießerei (hauptsächlich für Wasser- und Gasröhren- 
fabrikation) in dem Werk herumgeführt. Es ist im Ganzen sehr ı 
gut organisiert und mit Benutzung vieler ganz moderner Apparate. 
Jedoch wird andrerseits noch vielfach (in Details) mit der Hand 
gedreht, wo die Engländer und Schotten automatische Maschinerie 
anwenden. Mit demselben Direktor ging ich in die Herrmanns- 
Säule-Werkstatt. Das Zeug wird ebenso langsam fertig wie 
Deutschland. Der Herrmannskopf, so kolossal, daß Du daneben 
ein Kind, sieht herzlich dumm-ehrlich aus, und Herr Arminius 
war vor allem Diplomat. Die westfälische Biederkeit diente ihm 
nur zur Maske eines sehr raffinierten Kopfes. Ich hatte zufällig, in 
der Grimmschen Ausgabe der Geschichtsquellen, die Du kennst, z 
Herrn Arminium kurz vor meiner Abreise von London wieder 
kennen gelernt. 
Du erinnerst Dich doch des J. Meyer (bei Bielefeld), der unser 
Manuskript über Stirner usw. nicht gedruckt und uns den Jüngling 
Kriege auf den Hals gesandt hat? Er hat sich vor einigen Wochen 2 
in Warschau, wo er Geschäfts halber war, aus dem Fenster ge- 
stürzt und gefälligst seinen Hals gebrochen. 
Unser Freund Miquel, der die Freiheit der Einheit so bereit- 
willig zu opfern sich geneigt erklärte, soll auf große Posten speku- 
lieren. Le brave homme verrechnet sich nach meiner Ansicht. z 
Hätte er sich nicht so bedingungslos fanatisch dem Bismarck hin- 
geworfen, so konnte er ein gutes Trinkgeld erstehn. Aber jetzt! 
Wozu? Er ist so verhaßt durch sein Auftreten im Norddeutschen 
Parlament, daß er an die Preußen geschmiedet, wie ein Bagno- 
sträfling an den andern. Und die Preußen lieben bekanntlich z: 
keine „nutzlosen“ und überflüssigen Depenses. Kürzlich brachte 
die Bismarcksche Zeitung, die N[ordld[eutsche] Allgemeine] des 
Schweinhunds Braß, einen sehr witzigen Artikel über diese Na- 
tionalvereinler, worin sie sagt, selbst dem de mortuis nil nisi hene 
nicht nachleben zu können. Sie entließ die norddeutschbündlichen « 
nationalvereinlichen Knechte Bismarcks mit künstlerisch con 
amore applizierten Fußtritten. 
Was den Krieg angeht, so bin ich ganz Deiner Meinung. Jetzt 
kann er nur schädlich wirken, Eine Vertagung desselben, wenn auch 
nur für ein Jahr, wäre für uns Gold wert. Einerseits blamieren 4 
P 
TE
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.