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FRANKREICH — Finanzen (Budget).
Schätzung vom Jahre 1S56, noch immer über 1203 Mill. (1,293’! 73,80-1
Fr.) ; allein es finden alljährlich neue Veräusserungen statt.
Directe Steuern gibt es (wie oben aufgezählt) vier alte:
1) Grund-, 2) Personal- und Mobiliar-, 3) ThOren- und Fenster-,
4) Gewerbsteuer (Patentgebühr). Nur die letzte bildet eine sog. »Quoti
tätssteuer«, deren Ertrag sich nach der Zahl und Ausdehnung der Ge
werbe bestimmt, während die drei andern »Repartitionssteuern« sind,
deren Summe zum Voraus auf die einzelnen Departemente, Grundstücke
u. s. f. ausgeschlagen (repartirt) wird. — Hiezu kam in der Neuzeit
5) die Pferde- und Luxuswagensteuer.
Ganz enorm finden wir die indirecten Auflagen emporgeschraubt.
Besonders lästig ist die Getränkesteuer (die verhassten ehemaligen droits
reunís), über 213 Mill, liefernd; äusserst fiscalisch das Enregistrement,
das über 319 Mill, einbringt, ungerechnet 76 Mill. Stempelgebühren.
Es müssen bei jedem Immobiliarverkaufe volle 1 Proc. vom Preise be
zahlt werden ; dazu kam schon seit der Zeit des alten Napoleon eine,
auch in allen Friedenszeiten forterhobene, besondere »Kriegssteuer«,
wodurch diese Auflage noch um */,o erhöht wurde ; und diesem ersten
décime de guerre hat man 1835 sogar einen zweiten beigefügt, und
es dauert dessen Erhebung noch fort.*) — Die Salzsteuer, frü
her 30 Ct. für das Kilogr. (Doppelpfund), ward nach der Februarrevo
lution auf 10 Ct. herab-, dann 1862 auf 20 hinaufgesetzt (Ertrag 71*/»
Mill.) Der Tabak ver kauf war vor 1789 verpachtet, und brachte
32 Mill. Fr. ein. Von 1789 bis zum J. VII war derselbe frei; von da
bis 1811 ertrug die Steuer auf Tabak etwa 15 Mill. Fr. jährlich, ln
diesem Jahre wurde das Monopol des Staates wieder eingeführt, und
warf durchschnittlich 26 Mill. Fr. ab; fünf Jahre später erhöhte sich die
Summe auf 42 Mill., bei einem Verbrauche von 352 Grammen auf den
Einwohner; im Jahre 1841 gewann die Regie 72, und 1852 121 Mill,
mit einem Verbrauche von 706 Grammen auf den Kopf. 1860 hat die
Regierung den Preis des Tabaks, mit Ausnahme der Cigarren, plötzlich
um 25 Proc. erhöht. (Bruttocrlös 226% Mill., davon 65 Mill. Kosten,
Reinertrag also fast 162 Mill.) Den Gewinn der Einzelnverkäufer mit
12 Proc. dazu gerechnet, geben die Consumenten über 250 Mill, jährl.
für labak aus. Schon im J. 1858 betrug die verkaufte Quantität
28 303,174 Kilogr., wonach sich die Consumtion jedes Individuums auf
782 Grammen stellte. (Der Cigarrenverbrauch stieg schon 1856 auf
.523 406,000 Stück.) Die Zölle, 1859 eine Summe von 189’193,180 Fr.
einbringend, sanken 1860 in Folge der Tarifminderung auf 131’385,000
herab. — Eine eigenthümliche Einkommensquelle hat sich der Staat
*) Es mag hier bemerkt werden, dass, während man in andern Ländern
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die Güter der todten Hand in Frankreich seit 1818 mit einer eigenen Auflage
belastet sind. Da nein lieh diese Güter in der Regel nie in andere Hände über
gehen, so tragen sie eben auch zu denjenigen Einkünften nichts bei, welche der
Staat gelegentlich der Mutation bezieht. Dafür wurde eine Taxe eingeführt,
welche, dem mittleren Ertrage der Mutationsgebühr entsprechend, nun als
Aequivalent erhoben wird. Für 1865 ist dieselbe mit 3’;i47,952 Fr. in das Budget
eingesetzt.