Full text: Finanzen und Steuern im In- und Ausland

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die Bestrebungen des Faschismus wider, durch Verbesserung des Unterrichtswesens, ins- 
besondere durch Einrichtung von Erwachsenenschulen das italienische Bildungsniveau zu 
arhöhen und den Analphabetismus zu bekämpfen. 
Die Ausgaben auf Grund des Krieges zeigen naturgemäß in allen Ländern be- 
reits eine fallende Tendenz. Besonders sind von 1925 zu 1928, abgesehen von dem Weg- 
fall der Besatzungskosten, die Ausgaben für Wiederaufbauarbeiten in Frankreich und Bel- 
gien erheblich zurückgegangen. Andererseits sind in diesen Ländern in derselben Zeit die 
Ausgaben für Kriegspensionen bzw. -renten noch gestiegen, so daß im Gesamt- 
ergebnis die Ausgaben auf Grund des Krieges in Belgien sogar noch eine Steigerung er- 
kennen lassen. Der Rückgang der Ausgaben für die obersten Staatsorgane in 
[talien erklärt sich aus den Maßnahmen des Faschismus, die zu einer Zentralisierung der 
Aufgaben und einer Reduzierung der Abgeordneten führten. Auch auf dem Gebiet der 
inneren Verwaltung wäre an sich in Italien bei der radikal durchgeführten Zentralisie- 
rung ein Ausgabenrückgang zu erwarten gewesen. Der Grund für die trotzdem einge- 
tretene Ausgabensteigerung liegt darin, daß unter dieser Rubrik die Kosten für die dem 
Präsidium des Ministerrates unterstellte faschistische Miliz erscheinen. Die Ausgaben für 
die Landesverteidigung sind — ebenfalls im Gefolge der faschistischen Politik — von 
1925/26 auf 1928/29 stark gestievren. 
Die Struktur des staatlichen Finanzbedarfs 
Ein Vergleich der Struktur des Finanzbedarfs, d.h. seine anteilmäßige 
Verteilung auf die einzelnen Aufgabengebiete, zeigt in den einzelnen Ländern trotz ge- 
wisser Unterschiede, die auf die verschiedene Staatsorganisation und den verschiedenen 
Umfang staatlicher Betätigung auf den einzelnen Gebieten zurückzuführen sind, viele 
gemeinsame Grundzüge. Nur die Vergleichsergebnisse für das Jahr 1925 bzw. 1925/26 
sollen hier kurz erläutert werden. 
Es dominiert in allen Ländern der Anteil des Finanzbedarfs für den Dienst der 
inneren Staatsschuld, die zum allergrößten Teil Kriegsschuld ist. In 
Großbritannien beansprucht der innere Schuldendienst mit 48,1 vH fast die Hälfte der 
Staatsausgaben. In Frankreich dagegen reichen !/s, in Belgien und Italien ein knappes Drit- 
tel zu seiner Deckung aus. Bei diesen 3 Kontinentalstaaten hat nämlich die Entwertung der 
Währung zu einer Erleichterung der Lasten des inneren Schuldendienstes geführt, eine 
Entwicklung, die Großbritannien nicht zu verzeichnen hatte. An zweiter und dritter 
Stelle stehen nicht ganz gleichmäßig, aber auch nicht sehr voneinander abweichend, der 
Bedarf für die Landesverteidigung bzw. der Bedarf für ein zweites großes kriegsbedingtes 
Ausgabengebiet, das Gebiet derinnerenundäußeren Kriegslasten, u.a, be- 
sonders Kriegspensionen und -renten, Wiederaufbaukosten usw. Die Landesver- 
teidigung beansprucht mit etwa 19 vH in Großbritannien und Italien einen sehr viel 
höheren Anteil als in Frankreich und Belgien. In diesen beiden Staaten beläuft er sich 
auf etwa 13 vH. Der höhere großbritannische Anteil ist zum Teil auf das britische Sold- 
system zurückzuführen, das bedeutend höhere Personalkosten bedingt. In Frankreich 
stehen die Anteile der inneren Kriegslasten mit 31 vH und in Belgien mit 29 vH bedeu- 
tend über jenen Großbritanniens und Italiens, weil in den ersten beiden Ländern die nur 
hier größeren Umfang annehmenden Wiederaufbaukosten erhebliche Mittel erfordern. 
Die Verteilung des Finanzbedarfs auf die übrigen Zweige der Staatsverwaltung zeigt bei 
Großbritannien die schon früher betonte stärkere Begünstigung von entscheidenden Zwei- 
gen der Leistungs verwaltung. Die sozialen Aufgaben erscheinen in Groß- 
britannien mit einem Anteil von 7,52 vH, in Frankreich und Italien dagegen nur mit 
1,90 bzw. 2,58 vH. Der belgische Anteil reicht dagegen auf Grund der starken Industriali- 
sierung des Landes und der sich daraus ergebenden sozialen. Probleme dichter an 
Großbritannien heran. Beim wichtigsten Zweig der Hoheitsverwaltun g, der 
inneren Verwaltung, steht Großbritannien auf Grund des Fehlens eines allge- 
meinen regionalen Verwaltungsapparates hinter sämtlichen Staaten zurück (innere Ver-
	        
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