Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

Vergesellschaftung und Gesellschaft, 259
as regnen wird, so liegt ein „gewiß gerichteter Bereitwilligkeits- bzw.
Bereit-Widerwilligkeits-Anspruch“ vor. „Bereitwilligkeits- bzw. Bereit-Widerwilligkeits-Anspruch“
 ist also jeder Anspruch, bei dessen Erhebung
dem Ansprucherheber als „Ziel“ besondere „Bereitwilligkeit bzw. Bereit-Widerwilligkeit“
 des Adressaten, als „Fern-Ziel“ hingegen besonderer
Verhalten-Seelenaugenblick des Adressaten vorschwebt, derart, daß die
Erfahrung besonderen (gewissen oder ungewissen) Ereignisses die wirkende
 Bedingung, hingegen jene Bereitwilligkeit bzw. Bereit-Widerwilligkeit
 des Adressaten die grundlegende Bedingung dafür abgeben wird,
daß dem Adressaten jener Verhalten-Seelenaugenblick zugehörig wird.
Jenes besondere Ereignis nennen wir das „in einem Bereitwilligkeitsbzw.
 Bereit-Widerwilligkeits-Anspruche gemeinte Ereignis“,
Es gibt aber auch „Bereitwilligkeits- bzw. Bereit-Widerwilligkeits-Ansprüche
 mit mehreren gemeinten Ereignissen“.
Ein Anspruch richtet sich ferner, wie sich aus bereits Gesagtem
ergibt, entweder darauf, daß der Anspruchadressat Besonderes tue, daß
er also handle, oder darauf, daß der Anspruchadressat Besonderes
ınterlasse, so daß wir „Handlungs-Ansprüche“ von „Unterlassungs-Ansprüchen‘“
 unterscheiden, welche Unterscheidung auch
in besonderen gegensätzlichen Worten, wie „gebieten — verbieten“,
„bitten — sich verbitten“ u. a. ihren sprachlichen Niederschlag gefunden
 hat. Sowohl die „Handlungs-Ansprüche‘“ als auch die „Unterlassungs-Ansprüche‘
 sind „Verhalten-Werbungen‘‘, aber jener, der
sinen „Handlungs-Anspruch‘“‘ erhebt, wirbt mit anderen Mitteln um
Ander-Verhalten als jener, der einen Unterlassungs-Anspruch erhebt.
Tener nämlich, der einen Handlungs Anspruch erhebt, wirbt durch Behauptung
 besonderen eigenen (gewissen oder ungewissen) Wünschens
um besondere Unlust des Anspruchadressaten als Bedingung eines
Wollens und Strebens des Anspruchadressaten, jener hingegen, der
einen Unterlassungs- Anspruch erhebt, wirbt durch Behauptung be-Sonderen
 eigenen (gewissen oder ungewissen) Fürchtens um besondere
Lust des Anspruchadressaten als Bedingung eines Wider-Wollens
und Wider-Strebens des Anspruchadressaten. Keineswegs also enthält
 jeder Anspruch einen „Wunschsatz‘‘, d. h. einen Satz als Behaup-‘ung
 eigenen Wünschens, vielmehr enthalten zahlreiche Ansprüche einen
„Furchtsatz‘“. Nur deshalb faßt man lediglich „„Wunschsätze‘ ins Auge,
Weil man das „Fürchten‘ als ein „Wünschen, daß Etwas nicht ge-Schehe‘
 deutet, was aber unzutreffend ist, da eben „Wünschen“ einen
Seclenaugenblick darstellt, dem Unlust zugehört und der Gedanke an
sine Veränderung, in welcher die gegenwärtige Unlust durch Lust-Sewinn
 beseitigt würde, während „Fürchten‘‘ einen Seelenaugenblick
darstellt, dem Lust zugehört und der Gedanke an eine Veränderung,
‘N welcher die gegenwärtige Lust durch Unlustgewinn beseitigt
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