Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Grundlegung der Ethik.

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so ist es die sittliche Bestimmung der Menschheit, die das Streben
und die Forderungen der Individuen bemessen und begrenzen
muss. In dieser Bescheidung auf die empirischen Schranken
unseres Daseins gewinnen wir eine höhere Idealität‘ und einen
neuen Ausblick auf die Unendlichkeit, die uns im wirklichen
Leben der Geschichte selbst gegeben ist. Die moralischen Gesetze
 finden erst jetzt ihren festen Halt, indem sie nicht als
fremde und äussere Gebote, die durch Hoffnung und Furcht erzwungen
 werden müssen, sondern als selbständige Satzungen und
Forderungen, die aus unserem eigenen Wesen stammen, erkannt
werden. Zum erstenmale in der modernen Ethik tritt hier in
voller Bestimmtheit der Gedanke der Autonomie des Sittlichen
hervor.“) So zeigt sich die negative Auflösung eines metaphysischen
 Satzes in Wahrheit überall als eine neue Schöpfung und
als Begründung einer veränderten Wertschätzung des immanenten
 Seins. Bezeichnend in dieser Rücksicht ist das Wort
des Cardano, dass diejenigen, die die Sterblichkeit der Seelen
verfechten, das Sein des Menschen erhöhen und vergöttlichen, indem
 sie es zum Selbstzweck machen.“) Von hier aus fällt daher
auch auf die logische Grundabsicht von Pomponazzis Lehre neues
Licht. Wie das Christentum, so verlegt auch der Platonismus
Ficins das echte Leben des Geistes zuletzt in eine jenseitige Wirklichkeit,
 die von den empirischen Bedingungen der Körperwelt
befreit ist. (Vgl. ob. S. 107 f.) Die „Reinheit“ des Begriffs bedeutet
hier seine Abwendung und Loslösung von der Erfahrung.
Die nächste Aufgabe, die der modernen Erkenntnislehre gesetzt
war, bestand darin, die Selbständigkeit und Universalität des
Denkens festzuhalten, sie aber in der Beziehung auf den empirischen
 Stoff selbst zu begründen. Pomponazzis Werk über die
Unsterblichkeit ist ein Schritt auf diesem Wege; die notwendige
Zusammengehörigkeit von Seele und Leib, die es verteidigt, beruht
 auf der tieferen Einsicht der wechselseitigen Beziehung
zwischen der Sphäre des Intelligiblen und des Sinnlichen. Nunmehr
 bewährt sich uns der Satz, dass die verschiedenen philosophischen
 Richtungen der Renaissance sich am Erkenntnisproblem
zu einem einheitlichen Ziele zusammenfinden. (Vgl. ob. 5. 88 f.)
In der neueren Philosophie finden sich die Gesichtspunkte Ficins
und Pomponazzis vereint: Leibniz, der in der Charakteristik der
            
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