Resolutionen. 1
Obligatorischer und kostenloser Unterricht in arabischer Sprache;
Gewerkschaftsrecht, Koalitionsrecht und Streikrecht für die Arbeiter;
Achtstundentag, Arbeitsruhe am Sonntag, soziale Versicherung und Arbeiterschutz;
Unterstützung der Fellachen, bedeutende zinslose Kredite für die Bauern.
Die Forderungen des Marokkanischen Volkes.
Erst im Laufe der drei letzten Jahrzehnte hat der französische Imperialismus mit
der Kolonisation von Marokko begonnen. Die natürlichen Schätze des Landes (Eisenminen,
Potasche, Getreide usw.) bildeten — in Verbindung mit der billig verfügbaren Arbeitskraft
— eine Quelle anlockender Profite. Heute beherrscht die „Banque de Paris et des Pays-Bas““
das gesamte Wirtschaftsleben Marokkos.
Die Millionen von Menschenmassen, die frei auf eigenem Boden von dem Ertrag ihrer
Arbeit lebten, die sich aus eigenem Antrieb auf moderner wirtschaftlicher und politischer
Grundlage organisierten (Rif), und ihren eigenen Weg zur Gestaltung der Nation suchten,
sahen bald ihre Bemühungen an dem Eindringen des französischen Imperialismus scheitern.
Wie im Jahre 1813 in Algerien, bahnte bewaffnete Gewalt dem Zug der „Zivilisatoren“ den
Weg. Seit die Kolonisation in Marokko eingesetzt hat, folgte Krieg auf Krieg. Die gleiche
Methode und die gleichen Argumente, wenn man die „Rebellen“ zivilisieren will! Der letzte
Krieg gegen die Rifs bildet das typischste und lebendigste Beispiel für die Zivilisations-
methoden des französischen Imperialismus. Das Volk des Rifs hatte eine autonome republi-
kanische Verfassung auf demokratischer Grundlage, es bestellte seinen Boden, und war auf
dem Wege, mit Hilfe fremder Anleihen, seine natürlichen Bodenschätze zu verwerten.
Dieses Volk hegte die Hoffnung, in Freiheit von den Früchten seiner Arbeit zu leben. Der
Eroberungsdurst des französischen Imperialismus sollte seinen Aufschwung durch Feuer
und Schwert aufhalten! Mehrere tausend Menschen, französische Arbeiter wie Eingeborene
sind in diesem letzten Kriege getötet worden, der überdies noch nicht beendet ist. Das Ein-
dringen Frankreichs in Marokko spitzt die Rivalität zwischen den Großmächten zu, und diese
Politik droht jeden Augenblick, einen internationalen bewaffneten Konflikt heraufzube-
schwören.
Die „Zivilisation“ der Stämme, die ihr Gut und Blut verteidigen, schreitet unaufhörlich
fort. Marokko steht heute unter der Militärherrschaft des französischen Imperialismus und
— wie in Algerien und Tunis — wird das marokkanische Volk enteignet und gezwungen,
Landarbeiter oder Industriearbeiter zu werden. Selbstyerständlich ist jede Versammlungs-,
politische oder Gewerkschaftsfreiheit aufgehoben. Der Wille der Militärführer ist das einzige
Gesetz, das Marokko regiert. Das Volk des Rifs hat das Signal zum Befreiungskampf des
nordafrikanischen Volkes gegeben, indem es mutvoll dem sorgfältig vorbereiteten Eindringen
der imperialistischen Franzosen und Spanier widersteht. Schon beginnen — trotz der
Schreckensherrschaft, die über Marokko verhängt ist, genossenschaftliche Organisationen sich
zu bilden.
Der „Nordafrikanische Stern“ unterbreitet dem Kongreß folgende Forderungen:
Sofortiger Rückzug der marokkanischen Truppen;
Politische und soziale Freiheiten;
Gewerkschafts-, Streik- und Koalitionsrecht, Achtstundentag;
Presse-, Rede- und Versammlungsfreiheit;
Abschaffung des Protektorates. Vollständige Unabhängigkeit.
Die Unabhängigkeitsbewegung in Nordafrika wächst unaufhaltsam, und die Zeit kann
nicht mehr fern sein, da alle unterdrückten Völker, alle Ausgebeuteten von Marokko, Algerien
und Tunis den französischen Imperialismus verjagen und ihre Freiheit erringen werden. Die
schon eingeleitete Aktion, die ganze arbeitende Bevölkerung Nordafrikas zum Kampfe mitzu-
reißen, wird tatkräftig fortgesetzt mit der brüderlichen Hilfe und Unterstützung der Arbeiter
Frankreichs.
Resolution der französischen Delegation.
Die Delegation der französischen Sektion der „Liga gegen koloniale Unterdrückung“
am Brüsseler Kongreß protestiert mit allem Nachdruck gegen die hier von den Vertretern
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