133
Italiens brachten. Heyd hat auch die zutreffende Bemerkung ge-
macht, daß die Purpurfabrikation in Tyrus unter der Herrschaft
der Araber fortgedauert hat. Sie arbeitete aber nicht mehr für
Byzanz!??), sondern diente auch dem Export nach dem Westen.
Eine neue Auffassung hat Pirenne auch über die Märkte
der Karolingerzeit vorgetragen. Die Gründung neuer Märkte sei
durchaus nicht das Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwunges,
sondern gerade das Gegenteil davon. In der Merowingerzeit be-
gegne diese Erscheinung deshalb nicht, weil der Handel sich
auf die civitates konzentrierte. Jede von diesen stellte einen stän-
digen Stapelplatz dar. Sie erfüllten die wirtschaftliche Funktion,
welche seit dem 11. Jahrhundert die mittelalterlichen Städte über-
nahmen. Die Märkte der Karolingerzeit wurden nicht geschaffen,
um den Handel zu heben, sondern — da dieser zum Stillstand ge-
kommen war — um für die nächste Umgebung einen Austausch
der landwirtschaftlichen Produkte herzustellen. Sie seien nicht
Handelszentren, sondern Dorfmärkte gewesen!??). Pirenne stellt
sich damit auf den Standpunkt der älteren Wirtschaftshistoriker,
daß es zur Karolingerzeit noch keine Städte gegeben habe***).
Die civitates der Merowingerzeit sind aber doch damals nicht
untergegangen, sondern haben alle fortbestanden. Ja, in den neuen
Reichsteilen sind neue Bistümer begründet worden, u. zw. wird aus-
drücklich als Erfordernis hiezu erklärt, daß es Orte seien, wo eine
größere Bevölkerung und ein entsprechender Verkehr bereits vor-
handen war‘). Gerade die Kapitulariengesetzgebung läßt uns einen
klaren Einblick da gewinnen. Schon 744 wurde im Zusammenhang
mit der Kirchenreform von Pippin zu Soissons das Gebot an alle
Bischöfe erlassen!?), daß jeder von ihnen „per omnes civitatis
legitimus forus et mensuras faciat‘“. Die Admonitio generalis vom
Jahre 789 schärfte wieder ein!?’): ut aequales mensuras et rectas et
pondera iusta et aequalia omnes habeant, sive in civitatibus sive in
monasteriis...
122) A.a.O. Sozzı nd.
3) A.a.O. S. 233/34.
122) Vgl. auch Pirenne, Les villes du moyen Age. 1927, S. 53:
125) Vgl. den Brief des Papstes Zacharias an Bonifaz über die Gründung
neuer Bischofstädte in Deutschland vom J. 743. MG. EPP. 3, 302 Nr. 57, sowie
dazu die Translatio des hl. Liborius über Paderborn. MG. SS. 4, 150 C. 3.
126) MG. Capit. ı, 30 c. 6.
127) Ebda. ı, 60 C. 74.