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„größere Kapitalien in den geistlichen Instituten als Ergebnis
sorgsamer anderthalbhundertjähriger Wirtschaft wohl erst um die
Mitte des ı1. Jahrhunderts frei wurden“ und „dementsprechend
das Geldgeschäft erst etwas später einen völlig gewöhnlichen Platz
in ihrer Wirtschaftsgebarung einnahm“*1), Dagegen sprechen
nicht nur die schon von Waitz!?*) hervorgehobenen Beispiele von
Gelddarlehen der Stifte und Klöster an die Kaiser Heinrich II.
und Heinrich IV. — die vielleicht nicht ganz freiwillig erfolgten
—, sondern vor allem die oben schon erwähnten Kreditgeschäfte
der Kirchen mit den Kreuzfahrern*”®), ferner besonders
auch die Statuten und Regeln der neugegründeten Orden und
Kongregationen, die sich gegen Darlehensgeschäfte wenden. So
die Kanonikerregel des heiligen Gilbert v. Sunpringham in England
(r1083—1189), so die von St. Viktor in Paris (12. JTahrhundert),
so die der Zisterzienser u.a. m.**).
Für Deutschland (Bamberg) hat uns besonders Lambert v.
Husfeld zum Jahre 1071 eine Hochflut des Geldwuchers geschildert!?),
während in Frankreich die Gedichte der Bischöfe
Hildebert v. Le Mans (1056—1133) und Marbod v. Rennes (1035
bis 1123) diese Begleiterscheinungen der Geldwirtschaft geißeln??).
Der römischen Kurie warfen im Zeitalter des Investiturstreites
deren Gegner Wucher und Geldgier vor. Satiren auf das
geldgierige Rom sind im 11. Jahrhundert etwas Gebräuchliches**”).
Das bekannte Silbermarkenevangelium (evangel. secundum marcas
argenti) ist ebenso wider die Herrschaft des Geldes an der Kurie
gerichtet, wie der Tractatus Garsiae Toletani von 1099 die Geldgier
der Umgebung Urbans II. an den Pranger stellt. Gregor VII.
warf man schmutzige Gewinnsucht und bedenkliche Wechselgeschäfte
vor, daß er sich mit unlauteren Mitteln in den Besitz
von Kapitalien gesetzt und sie auch so verwendet habe**®).
21) DWL. ı, 2, 1446.
122) VG. 8, 238.
23) Siehe oben S. 157.
‘“t) Vgl. F. Schaub, Der Kampf gegen den Zinswucher, ungerechten Preis
und unlauteren Handel im MA. (1905), S. 141 f.
25) Ebda. S. 146.
126) Ebda. 5. 149.
127) Vgl. P. Lehmann, Die Parodie im MA. (1922), S. $1-18)
Vgl. C. Mirbt, Die Publizistik im Zeitalter Gregors VIL S. s98 f.
{1894).