fullscreen : Die deutsche Hausindustrie

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IV.  Kap.:  Wirtfchaftliche  und  fozialc  Zuftände  in  der  Hausinduftrie

gefehen  werden.  Der  Heimarbeiter  kann  fich  all  jene  Wohltaten  nur  verfchaffen
  auf  Grund  eines  angemeffenen  Lohnes;  im  andern  Falle  muß  er  darauf
verzichten.  Darin  liegt  die  Schwierigkeit  jegliches  gefetzlichen  Heimarbeiter  -
fchutzes,  der  ohne  Löfung  der  Lohnfrage  ein  Meffer  ohne  Klinge  bleiben  wird.
Das  Lohnproblem  ift  das  Heimarbeitproblem.
Unterfuchen  wir  dielohnbildendenFaktoreninder  Heimarbeit,
fo  ftellt  fich  heraus,  daß  fie  durchweg  nicht  in  einer  für  die  Arbeiter  günftigen
Richtung  wirkfam  find.  Es  ift  eine  Eigentümlichkeit  manches  hausinduftriellen
Produktionsprozeffes,  dajz  bei  ihm  der  men  fchlichen  Arbeit  gegenüber ­
  andern  produktiven  Faktoren  eine  größere  Bedeutung  zukommt
als  in  dem  mechanifchen  Fabrikbetrieb.  Das  mag  man  unter  ethifchen  Rückfichten ­
  einen  Vorzug  nennen,  für  die  Lohnbildung  ift  es  das  Gegenteil.  Billige
Krafterzeugung,  technifch  vollkommene  Mafchinen,  rationelle  Organifierung
des  ganzen  Betriebes,  ein  feines  Ineinandergreifen  der  einzelnenTeiloperationen:
das  alles  gibt  dem  modernen  Großbetrieb  einen  gewaltigen  Vorfprung  vor  Handwerk ­
  und  Hausinduftrie  und  ermöglicht  immer  billigere  Produktion,  während
der  Faktor  Arbeit  an  Bedeutung  zurückgedrängt  wird.  Das  Streben  nach  billiger
Produktion,  das  der  modernen  Induftrie  das  Gepräge  gibt,  kann  in  erfter  Linie
einfetzen  bei  den  erwähnten  mechanifchen  Faktoren  und  wird  durch  ihre  Verbefferung
  mehr  und  mehr  Koften  erfparen.  Der  Faktor  Arbeit  braucht  darum
nicht  geringer  bewertet  zu  werden,  der  Lohn  nicht  herabgefetzt  zu  werden.
Im  Gegenteil,  die  Löhne  können  um  fo  mehr  erhöht  werden,  je  größere  Koftenerfparnis
  durch  die  übrigen  Produktionsfaktoren  ermöglicht  wird.  In  fortgefchrittenen
  Induftrien  find  auch  tatfächlich  Produktions-  und  Lohnerhöhung
parallel  nebeneinander  vorangefchritten.
Eine  derartige  für  beide  Teile  gleich  günftige  Entwicklung  ift  in  der  Hausinduftrie ­
  nicht  denkbar.  Soll  hier  verbilligt  werden  —  und  von  diefem  Streben
ift  jeder  echte  Unternehmer  befeelt  —,  fo  kann  der  Hebel  in  wirkfamer  Weife
nur  angefetzt  werden  bei  dem  einen  Faktor  Arbeit,  neben  welchem  befcheidene
und  der  technifchen  Vervollkommnung  nicht  immer  fähige  Hilfsmittel  kaum
in  Betracht  kommen.  Die  Arbeitskraft  muß  mehr  leiften  und  wird  zu  erftaunlicher
  Schnelligkeit  und  Routine  angetrieben.  Und  da  die  Leiftungsfähigkeit
bald  ihre  Grenzen  erreicht  hat,  wird  der  Lohn  herabgefetzt.  Die  einzigartige
Stellung  der  menfchlichen  Arbeit  im  hausinduftriellen  Prozeß,  ihre  Ausfchließung
  von  den  Fortfehritten  der  modernen  Technik  und  Betriebsorganifation
ift  der  fchwerfte  hemmende  Faktor  in  der  Lohnbewegung  der  Hausinduftrie. ­

Er  macht  fich  nicht  überall  in  gleichem  Maße  geltend,  da  feine  Richtung
            
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