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zahlung. Man produziert nicht mehr für den Eigenbedarf, sondern
für den Verkauf. Das Streben nach größtmöglichem Gewinn ist
dem Kapitalismus eigen. Der Kapitalismus überwindet die feudale
Wirtschaftsorganisation, er nimmt den Krieger in Sold und kauft
von dem freien Arbeiter dessen Arbeitsleistungen.
Karl Lamprecht ist in seiner „Deutschen Geschichte“ noch einen
Schritt weiter gegangen. Er hat geradezu gemeint, daß Natural- und
Geldwirtschaft jene beiden wirksamen und konstitutiven Kräfte
gewesen seien, aus welchen sich die deutsche Geschichte und ihre
besondere Entwicklung vom Mittelalter zur Neuzeit erklären lasse.
„Der volle Durchbruch geldwirtschaftlicher Tendenzen mit ihren
Folgen auf sozialem und, großenteils hierdurch vermittelt, auch auf
geistigem Gebiete, mußte die Neuzeit selbst heraufführen“”).“ Die
Verschiedenheit der Entwicklung in den Territorien und den Städten
beruhe eben in der Natural- bzw. Geldwirtschaft. Die Folge davon
war nach Lamprecht ein völliger Dualismus in der bisher einheit-
lichen nationalen Entwicklung. Die schweren wirtschaftlichen und
sozialen Konsequenzen treten im Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts
zutage. Das Ergebnis war schließlich (Ende des 16. Jahrhunderts)
der Zusammenbruch der städtischen geldwirtschaftlichen Hyper-
trophie, der Sieg der Territorien mit ihrer langsamen Entfaltung
wahrhaft staatlicher Lebensformen, und in diesem territorialen
Werden eine neue Einheit der nationalen Geschicke.
Mit Recht hat sich v. Below gegen diese Art der Darstellung
K. Lamprechts gewendet und geradezu von einem Mißbrauch da
gesprochen”). Wenn er selbst bei dieser Gelegenheit betont, daß
den politischen Faktoren eine große Bedeutung für die Weiter-
bildung der wirtschaftlichen Verhältnisse zukommt und daß das
Aufkommen der Geldwirtschaft oft zu einem großen Teile in politi-
schen Vorgängen seinen Grund hat, so ist dies gewiß zutreffend.
Dies gilt aber, glaube ich, nicht nur für die Weiterbildung
der wirtschaftlichen Verhältnisse und speziell für das Aufkommen
der Geldwirtschaft, sondern für die Gestaltung der Wirtschaft über-
haupt, zu allen Zeiten und überall. Deshalb ist doch auch der Ver-
such, welchen einzelne Nationalökonomen unternommen haben,
die Verschiedenheit der deutschen gegenüber der englischen und
77) Deutsche Geschichte, 5. Bd., Einleitung.
%®)y Probleme der Wirt. Gesch., S. 166, Anm. 2.