Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

32 
das Silber verdrängt. Es erscheint in verschiedener Form. Neben 
Hacksilber auch die Ringform. Zur Beglaubigung des Feingehaltes 
wurde frühzeitig eine Nachprüfung durch Wägung vorgenommen 
und ein Stempel angebracht. Silberbarren mit der Aufschrift des 
Königs sind gefunden worden. Vollwertiges Münzgeld wird von 
minderwertigem bereits unterschieden‘). Später, Mitte des 2. Jahr- 
tausends v. Chr., unter den Kossiäern werden die Preise nicht 
selten in Gold angegeben, jedoch darf daraus nicht ohne weiteres 
auf eine Goldwährung geschlossen werden. Vielmehr ist wahr- 
scheinlich, daß die tatsächlichen Zahlungen in Silber erfolgten?). 
Schon in der Zeit König Hammurapis (ca. 2123—208ı 
v. Chr.) haben die Bankiers eine bedeutsame Rolle in der Wirt- 
schaft gespielt; im 6. Jahrhundert v. Chr. sind große Bankhäuser 
auch urkundlich bezeugt. Alle Kaufhandlungen sollten schon zur 
Zeit Hammurapis schriftlich und mit Zeugenführung abgeschlossen 
werden. Schon im 19. Jahrhundert v. Chr. sind in Assyrien Preis- 
satzungen durch die Könige erlassen worden®®). 
Besonders verhängnisvoll für die Landwirtschaft (die Bauern) 
waren die damals schon üblichen Darlehensgeschäfte”), nach 
welchen den Bauern das Saatgetreide zu dem hohen Preis, den 
es zur Zeit der Aussaat besaß, berechnet wurde, während sie die 
Schuld nach der Ernte infolge der jetzt viel niedrigeren Preise 
teuer, d. h. mit einem viel größeren Quantum Getreide, zurück- 
zahlen mußten. 
Der Bauer zahlte auch für das Vieh, welches er für seine 
ländlichen Arbeiten mietete, mit Getreide®). Für Lohnarbeiter 
war nach dem Gesetze Hammurapis eine Entlohnung in Silber- 
geld (Sekel) oder ein Äquivalent in Getreide vorgesehen®). Leute, 
die für den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbetrieb gebraucht 
9%) Vgl. dazu besonders W. Schwenzner, Zum altbabylonischen Wirt- 
schaftsleben. Mitteil. d. Vorderasiat. Gesell. 19 (1915), S. ı2 ff. 
%) Meissner a.a.O. S. 356 £. 
%) Ebda. 5. 361. 
97) Ebda. S. 364. — Vgl. über ähnliche Vorgänge in Österreich während 
des 16. Jahrhunderts; die „Fürlehen auf Wein und Getreide“, Erna Patzelt, Ent- 
stehung und Charakter der Weistümer in Österreich (1924), S. 100, sowie 
Anhang II. 
®) A.a.O. 1, 365. 
#) Ebda. ı, 163.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.