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gelegen. Ich wies schon darauf hin, daß der Staat die Möglichkeit hat, Preis
taxen zu erlassen. In Österreich dient diesem Zwecke eine Bestimmung der
Gewerbeordnung, deren Anwendung bereits vor einiger Zeit ernstlich in Er
wägung gezogen wurde. Freilich bezieht sich diese Bestimmung nur auf die
Erlassung von Preistaxen für den Kleinhandel. Aber es ist klar, daß, wenn
der Kleinhandel bestimmte Maximalpreise nicht überschreiten darf, er auf
den Großhandel drückt und ihn zur Herabsetzung der Preise zwingt. In
Serbien und Bulgarien wurden während des Balkankrieges Preistaxen verhängt
und deren Durchführung zum Teil mit großer Strenge erzwungen. Wir sehen
auch auf diesem Gebiet, daß der Staat im Kriegsfall eine größere organi
sierende Kraft als im Frieden entfalten dürfte, selbst wenn er nicht dazu
schreiten sollte, die Nahrungsmittel oder wenigstens die wichtigsten derselben
selbst zu verkaufen und dem Privat Umsatz ganz zu ent
ziehen.
Mit wenigen Worten will ich den Einfluß der Rüstungen und der Kriegs
führung auf die Verkehrsmittel streifen. Wir sehen, daß m allen Staaten ein
nicht unerheblicher Teil der Eisenbahnlinien entweder vorwiegend aus stra
tegischen Gründen erbaut wurde, oder mindestens bei der Errichtung auf
strategische Momente Rücksicht genommen wurde. Wenn Eisenbahnlinien nicht
allen strategischen Anforderungen entsprechen, so kann dies unter Umständen
schwere Belastungen der Bevölkerung zur Folge haben. Das Schmalspursystem
Bosniens war eine der Hauptursachen, weshalb Österreich-Ungarn daselbst
größere Truppenmassen frühzeitig ansammeln mußte, um im Kriegsfälle bereit
zu sein. Abgesehen davon, daß der Verkehr doch auch einige Störungen erlitt,
müssen die großen Ausgaben ins Auge gefaßt werden, welche eine solche
Truppenkonzentration nach sich zieht. Schwere Verluste erlitt ein großer
Teil der Einberufenen, da für die Sicherung der Anstellungen solcher Einbe
rufener bis heute keine entsprechenden Maßnahmen seitens des Staates ge
troffen wurden. Auch darf man nicht vergessen, daß die dauernde Dis
lozierung großer Truppenmassen in Gebieten, die nicht dafür eingerichtet sind,
eine erhebliche Steigerung der Krankheitsziffer zur Folge hat. Die Unter
bringung von solchen Truppenmassen ist fast schwieriger durchzuführen, als
die einer marschierenden Armee, die täglich ihren Rayon wechselt.
Im Kriegsfälle kann die Heeresverwaltung das rollende Material der
Eisenbahnen entweder zum Transport von Mannschaft und Kriegsmaterial oder
zum Transport von Lebensmitteln verwenden. Zu letzterem Zweck wird sie an
dem Vorhandensein verschiedener Spezialtypen von Waggons sehr interessiert
sein. Insbesondere seien hier die Kühlwaggons erwähnt, welche z. B. die
serbische Armee während des Balkankrieges verwendete. Sie bewährten sich
im engeren Bereich sehr gut, weniger gut aber in einem größeren, weil in
letzterem Falle das Fleisch häufig verdorben ankam. Solchen Übelständen
kann durch entsprechende Vorsorgen, insbesondere durch Schaffung genügend
zahlreicher Eiserzeugungsstellen und Eisfüllungsstationen abgeholfen werden.
Rußland scheint in dieser Richtung große Vorkehrungen getroffen zu haben.
Auch in Österreich-Ungarn nimmt die Zahl der Kühlwaggons zu. Es ist
klar, daß die Heeresverwaltung der Vermehrung des Kühlwaggonparks ähnlidie
Aufmerksamkeit schenkt, wie den Lastautomobilen.
Der normale Verkehr erleidet im Kriegsfall meist sehr erhebliche Störungen.
Nicht immer werden aber ausreichende Maßnahmen getroffen, dieselben auf
das Minimum zu reduzieren. Es soll im Jahre 1870/71 mehrfach vorgekommen
sein, daß Fabriken feiern mußten, weil die Kohlen infolge Waggonmangels
nicht transportiert werden konnten. Daran soll bei mehr als einer Gelegenheit
nicht der effektive Mangel an Waggons schuld gewesen sein, sondern die un
zulängliche Instradierung. Angeblich war bei der Ausarbeitung der Transport
pläne für die Armee auf die Bedürfnisse der Industrie an der Westgrenze
nicht immer ausreichend Sorge getragen worden.
Jedenfalls dürfte die rasche Entwicklung der Industrie und der Landwirt
schaft dazu führen, daß der Mobilisierungsplan auf die Unternehmungen aller
Art möglichst Rücksicht nehmen wird ; insbesondere dort, wo die militärischen
Zwecke dadurch gar nicht gefährdet erscheinen. Es gibt im Staatsleben mehr