110 Zehntes Buch. Drittes Napitel.
In dieser Richtung ist der Ordensstaat, aus der alten ad—
ministrativen Schulung der Kirche auf das Gebiet weltlicher
Verwaltung verpflanzt, weitaus der modernste deutsche Staat
des 13. und der folgenden Jahrhunderte gewesen: er allein verfügte
in so früher Zeit innerhalb der Grenzen deutschen Wesens über
das wirksame Werkzeug eines absolut sicheren Beamtentums.
Dies Werkzeug, nicht eine absolutistische Verfassung — schon
früh kennt man auch für Preußen die Anfänge ständischer Ver—
tretungen — hat im 14. Jahrhundert seine eigenartige Größe,
seine bewundernswürdige Stellung unter den Ostseestaaten herbei⸗—
geführt.
Während aber im fernen Lande der Weichsel dieser merk—
würdige Staat reifte, eine gewaltige Nordbastion germanischen
Wesens nach Osten zu, entsprechend der schlesischen Angriffs—
und Verteidigungsstellung im Süden, war das Land zwischen
beiden Bastionen noch in slawischen Händen geblieben: noch ragte
hier in den Landen der heutigen Provinz Posen polnisches Gebiet
weit hinein nach Westen. Das Centrum der deutschen Angriffs—
stellung ward hier erst durch das brandenburgische Territorium
zwischen Oder und Elbe gebildet. Auf seine Entwickelung kam es
deshalb an für eine volle deutsche Zukunft zwischen Oder und
Weichsel und über die Weichsel hinaus: schon damals mußten die
brandenburgischen Schicksale, und damit auch bald die branden—
burgischen Zustände typisch werden für die Schicksale und Zu—
stände überhaupt im deutschbesiedelten Osten.
Kein norddeutsches Fürstenhaus hat durch die Zerstörung
der Macht Heinrichs des Löwen mehr gewonnen, als das der
Askanier. Der jüngere Zweig des Hauses, wie er aus der
Erbteilung nach dem Tode Albrechts des Bären hervorgegangen
war, gelangte dadurch zum Herzogtum Sachsen, das freilich nur
aus einigen Landschaften an der Elbe, beinah durchweg nicht—
sächsischem Boden, bestand; der ältere Zweig, im Besitze der
Altmark, der Mark Brandenburg und der Priegnitz, ward schon